Microsoft macht prächtig Gewinn: Windows verkauft sich immer noch
Apple mag cooler sein, Linux freier und das Cloud-Computing billiger: Doch noch immer verkauft Microsoft sein Windows und Office so gut, als wäre es das tollste Produkt der Welt.
REDMOND dpa/taz | Allen Unkenrufen zum Trotz hat Microsoft ein weiteres Rekordquartal hingelegt. Nach dem Betriebssystem Windows 7 erweist sich auch das Büropaket Office 2010 als Verkaufsschlager. Dadurch stieg im ersten Geschäftsquartal (Ende September) der Umsatz um ein Viertel auf 16,2 Milliarden Dollar (11,6 Mrd Euro). Davon blieb ein Gewinn bei Microsoft von 5,4 Milliarden Dollar hängen.
"Das war ein außergewöhnliches Quartal", sagte der fürs Tagesgeschäft zuständige Vorstand Kevin Turner am Donnerstag in Redmond. Denn nur einmal hat Microsoft in einem Quartal mehr umgesetzt und verdient, nämlich im zweiten Geschäftsquartal des vergangenen Jahres, als man um Sonderfaktoren bereinigt 17,3 Milliarden umsetzte und 6,6 Milliarden verdiente.
Vor allem die Firmenkunden hätten kräftig zugeschlagen, auch bei der Software für Großrechner und bei Datenbank-Anwendungen. Die Privatkunden indes griffen verstärkt zur Spielekonsole Xbox 360. Die Börsen reagierten trotzdem nicht allzu überschwänglich, die Aktie legte nachbörslich um einen Prozent zu.
Fast die Hälfte des Konzerngewinns stammt vom Betriebssystem Windows 7, das nach dem Misserfolg des Vorgängers Vista eingeschlagen hatte wie eine Bombe. Viele PC-User hatten Vista einfach ausgesessen und mit XP weitergearbeitet, bis Windows 7 endlich fertig war. Das aktuelle Betriebssystem Windows 7 ist nun seit gut einem Jahr auf dem Markt und wegen der schlechten Vorversion schon heute das erfolgreichste Windows aller Zeiten mit mehr als 240 Millionen verkauften Lizenzen. Der operative Gewinn bei Windows betrug 3,3 Milliarden Dollar.
Zweites großes Standbein ist Office, dessen 2010er Version im Mai herausgekommen war. Und auch hier scheint der Absatz mehr als zufriedenstellend für Microsoft. In der Geschäftskunden-Sparte mit Office verdiente der Konzern 3,4 Milliarden Dollar. Die Software wird zumeist gleich mit einem neuen Computern ausgeliefert. Nach dem Stillstand in der Wirtschaftskrise tauschen vor allem Firmen derzeit ihre Rechner aus.
Microsoft-Finanzchef Peter Klein sieht den Trend ungebrochen und sprach von einem "gesunden Zyklus". Dagegen hatten Marktforscher und Hardware-Hersteller die Sorge geschürt, dass sich der Boom bei den Computerverkäufen deutlich abschwächt. Apple-Chef Steve Jobs hat sogar schon den Abgesang auf den PC angestimmt und sieht in mobilen Geräten wie dem Tablet-Computer iPad die Zukunft. Daneben werden die Betriebssysteme auf Linux-Basis immer komfortabler.
Auch Microsoft erwartet Veränderungen, aber zumindest nach dem, was der Konzern offiziell verkündet, rechne man mit eher langfristigen, weniger radikalem Wandel. Der Konzern hat sein Engagement im Internet und bei den mobilen Geräten kräftig verstärkt. Vor allem ins sogenannte Cloud Computing fließt viel Geld. Dabei liegen die Programme zentral auf Großrechnern statt lokal auf dem eigenen Computer und werden je nach Bedarf abgerufen.
Microsoft reklamiert erste Erfolge seiner Strategie für sich: Die firmeneigene Suchmaschine Bing habe dank der Kooperation mit dem Branchenurgestein Yahoo Marktanteile hinzugewinnen können, hieß es. Geld verdient der Softwarekonzern in diesem Geschäft jedoch keines, im Gegenteil: Alleine im dritten Quartal verlor die Internetsparte weitere 560 Millionen Dollar.
Erst vor einer Woche hatte Microsoft nach langem Warten sein neues Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 herausgebracht. Der Vorläufer war in der Bedeutungslosigkeit versunken, stattdessen rollte Google mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android den Markt auf. Der Internetkonzern beherrscht bereits die Websuche und hat Microsoft das Leben mit einer internetbasierten Bürosoftware schwer gemacht.
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