Windows-Phone ist auf dem Markt: Office auf dem Handy

Microsofts neues Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 ist nun unauffällig in Deutschland gestartet. Es soll das Unternehmen im mobilen Markt nach vorne bringen.

Microsoft to go: Windows-Phone mit Office Bild: reuters

BERLIN taz | Donnerstag ist Windows-Phone-7-Tag, so hatte es sich Microsoft zumindest vorgestellt. Für alle großen deutschen Mobilfunknetze sollten erstmals Geräte mit dem neuen Smartphone-Betriebssystem auf den Markt kommen, mit dem der Softwarekonzern im mobilen Markt endlich wieder präsent sein will.

Die vom iPhone und anderen Smartphones bekannten Schlangen waren am Donnerstag allerdings nicht zu sehen. Nur bei Vodafone hatten einige Läden zwei der neuen Geräte verfügbar. O2 folgt erst in ein paar Tagen, T-Mobile lässt sich bis zum 3. November Zeit, weil die Telekom-Tochter an diesem Tag auch noch neue Tarife einführen will.

Für den Kunden sind die neuen Windows-Handys schwer zu unterscheiden. Da Microsoft genaue Vorgaben an die Hersteller macht, über welchen minimalen Bildschirm, welche minimale interne Hardware und welche grundlegenden Tasten alle Geräte zu verfügen haben, können die bisherigen Anbieter HTC, LG, Samsung und Dell ihre Modelle nur durch teils kleine Unterschiede aus dem Einheitsbrei hervorheben. Beim LG E900 ist das beispielsweise eine Panorama-Foto-Funktion, beim Dell Venue Pro (vorerst nur in den USA) eine ausfahrbare Tastatur.

Der taiwanesischen Anbieter HTC treibt es mit den bislang meisten Windows-Handys besonders wild. Das HD7 hat einen besonders großen Bildschirm, das Mozart Surround-Sound und das Trophy soll sich gut zum Spielen eignen. Außerhalb Deutschlands kommen mit dem HTC Surround und dem HTC Pro sogar noch zwei weitere Geräte auf den Markt - das eine mit ausklappbarem Lautsprecher, das andere mit ausklappbarem Keyboard.

Die ersten Testberichte der neuen Windows-Handys fallen gemischt aus. Gelobt wird vor allem für die Oberfläche. Dank Gigahertz-Prozessoren bietet sie hübsche Animationen und eine insgesamt gelungene, eigenständige Optik. Hier und da muss Microsoft allerdings noch Verbesserungen vornehmen. So kann man die Startseite des Handys mit so genannten Live-Kacheln für Musik, Facebook oder Spiele (Xbox Live) versehen und diese dann in einer langen Liste herunterscrollen. Doch fehlt es an einer einfachen Funktion, um schnell wieder nach oben zu gelangen.

Kritik gibt es auch wegen einiger fehlender Features: Den neuen Windows-Handys fehlen Cut&Paste-Funktionen, Multitasking und ein umfangreiches Software- und Anwendungsangebot. Microsoft Antwort auf Apples App Store besticht durch große Leere. Nach eigenen Angaben werkelt das Unternehmen bereits an allen drei Problemen. Cut&Paste soll als Update nachgeliefert werden, Multitasking ebenso und auch der Programme-Laden soll sich in den nächsten Monaten rapide füllen.

Vor allem die hauseigene Alternative zum App Store scheint Microsoft wichtig zu sein. Man will externen Programmierern allerlei monetäre Anreize bieten. Dabei geht auch mal etwas schief. So tauchten im Werbematerial für WP7 plötzlich Programme auf, die es für die Plattform noch gar nicht gibt oder die, im Fall von "Angry Birds", auch nicht kommen sollen.

Positiv wird von den Testern hingegen die integrierte Microsoft Office-Software hervorgehoben, die es einfach macht, Bürodaten mit ins mobile Leben zu nehmen. Allerdings gibt es auch hier noch Kinderkrankheiten. So meldete der "Wall Street Journal"-Technikreporter Walt Mossberg Probleme mit einer einfachen Word-Datei, die sich auf dem Windows-Handy nicht öffnen ließ, auf iPhones und Android-Geräten jedoch problemlos funktionierte. Das sei wohl ein "korruptes File" gewesen, lautete die Antwort von Microsoft.

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