Michela Murgia ist gestorben: Im Kreis der queeren Familie
Im Mai hatte die Schriftstellerin und linke Aktivistin Michela Murgia ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht. Nun ist sie der Krankheit erlegen.
epd/taz | Die italienische Schriftstellerin und linke Aktivistin Michela Murgia ist tot. Wie die Nachrichtenagentur Ansa am Freitag meldete, starb Murgia am Donnerstag im Alter von 51 Jahren. Zuletzt hatte sie sich in Italien für die Rechte queerer Menschen starkgemacht.
Murgia, 1972 in Cabras auf Sardinien geboren, studierte Theologie und arbeitete als Religionslehrerin. 2006 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „il mondo deve sapere“ (deutsch: „Camilla im Callcenterland“) über die Zustände in einem Callcenter. Für ihren Roman „Accabadora“ (2009) wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zu ihren politischen Schriften zählt das 2011 erschienene Buch „Ave Mary“, in dem sie die Stellung der Frau in der katholischen Welt thematisiert.
Außerdem hat sie die bitterböse Polemik „Faschist werden. Eine Anleitung“ veröffentlicht. In dem gibt sie eingangs eine Antwort darauf, warum sie es überhaupt geschrieben hat: „Dieser Text soll vor allem eine Verständnishilfe für die gebildete Schicht sein, die der Demokratie überdrüssig geworden ist, denn der breiten Masse musste man schließlich noch nie erklären, dass der Faschismus die überlegene Alternative ist.“ Keine bloße Ironie, sondern drastische Realsatire. Wie alle ihre Bücher erschien die deutsche Ausgabe beim Wagenbach-Verlag.
Im Mai dieses Jahres hatte Murgia in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera ihre Nierenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht. Trotz ihrer zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschrittenen Erkrankung erklärte sie, sie hoffe nicht, unter einer Regierungschefin Meloni zu sterben. Giorgia Meloni ist die Parteivorsitzende der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia und seit Oktober 2022 Ministerpräsidentin Italiens.
In den vergangenen Wochen hat Murgia in den sozialen Netzwerken viele private Momente aus dem Zusammenleben ihrer queeren „erweiterten“ Familie gezeigt, wie sie die Menschen nannte, mit denen sie die letzten Monate ihres Lebens verbrachte.
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