Mehrwegprojekt der Grünen Liga: Gut gespült in die Mehrweg-Ära
Die Grüne Liga startet in Berlin ein Pilotprojekt für Mehrweggeschirr. Mit dem „mobilen Spülmobil“ besucht sie Wochenmärkte.

Doch hinter der freundlichen Fassade lauert der Feind: jede Menge Verpackungsmüll. Gegen den will die Grüne Liga nun mit ihrer Initiative „Mehrweg auf Wochenmärkten“ vorgehen. „Wir wollen den Standbetreibern einen positiven Anreiz zur Verwendung von Mehrweggeschirr geben“, sagt Claudia Kapfer. Die tatkräftige Frau mit der runden Brille ist Projektleiterin und Landesgeschäftsführerin der Umweltorganisation. An diesem Freitag sei die Grüne Liga mit einem „Spülmobil“ und einem Infostand vor Ort, erklärt sie.
Das Spülmobil ist ein großes Lastenrad, auf dem eine Spülmaschine steht. Kai Guttmann von der Grünen Liga ist morgens damit zum Markt geradelt, er wird nun den ganzen Tag das benutzte Mehrweggeschirr von den Imbissständen einsammeln und spülen: „Eigentlich bekommen wir nur gute Rückmeldungen“, berichtet er.
6 von 18 Imbissständen am Maybachufer machen bei dem Projekt mit. Die Grüne Liga hatte sie vorher mit Geschirr ausgestattet. Nach dem Mehrwegtag bringen die Aktivisten es zum nächsten Markt. „Ich finde das Projekt ideal“, sagt eine Verkäuferin. Sie sei sowieso gegen Einweggeschirr und könne sich vorstellen, in der Zukunft ganz darauf zu verzichten.
Ein Mann, der an seinem Stand Fried Chicken vertreibt, freut sich über den eingesparten Plastikmüll. Ein Betrieb ganz ohne Einweg sei aber schwer möglich, gibt er zu bedenken. Von den nicht teilnehmenden Standbetreibern, mit denen die taz am Freitag spricht, hat freilich noch niemand vom Mehrweg-Markttag gehört.
Wissenschaftliche Begleitung
Die Initiative wird wissenschaftlich begleitet. Ziel ist dabei, herauszufinden, wie stark der Gebrauch von Mehrweggeschirr den Verpackungsmüll in den umliegenden Müllcontainern verringert. „Dafür findet an vorangehenden und nachfolgenden Markttagen sowie am Mehrweg-Markttag selbst eine sogenannte Wertstoffanalyse statt“, erklärt Claudia Kapfer.
Außerdem führt die Grüne Liga mit der Universität Bielefeld eine Studie zum Thema „Mehrweg auf Wochenmärkten“ durch. Dafür spricht die studentische Mitarbeiterin Anne Marktbesucher*innen an. Sie erzählt, dass Menschen schon durch die Teilnahme an der Befragung für die Thematik sensibilisiert würden. „Manche nehmen sich vor, in Zukunft an ihren Jutebeutel oder die Brotbox zu denken, wenn sie zum Markt kommen“, sagt sie.
Sarah Gohm vom Bottleneck Project wurde eigens zum Mehrweg-Markttag eingeladen. Die Berlinerin hat während der Coronazeit eine Maschine zum Upcycling von Altglas erfunden, nun reist sie damit von Ort zu Ort. An ihrem Stand am Maybachufer bastelt sie Zahnputzgläser, Weinschalen und Lampenschirme. „Mit dem Projekt wollen wir auf die richtige Trennung von Altglas in Containern aufmerksam machen“, sagt Gohm.
Am Nachmittag gibt es einen „Mehrweg-Dialog“ mit Politiker*innen und Umweltorganisationen. „Es braucht Strukturen, die Mehrweg ermöglichen“, sagt Claudia Kapfer. Derzeit blockiere die regierende CDU noch einen Antrag der Grünen zur Einführung einer Verpackungssteuer. Dabei würde die einen starken Anreiz für Imbissstände bieten, Mehrweggeschirr zu verwenden. „Wir hoffen, mit unserem Pilotprojekt dafür einen Anstoß zu bieten“, so Kapfer.
Das Spülmobil und seine Entourage werden noch bis nächstes Jahr auf Berliner Wochenmärkten unterwegs sein. Am kommenden Samstag geht es auf dem Neuköllner Schillermarkt weiter.
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