Meghan und Harrys Boulevardpresse-Exit: Rubikon überschritten

Meghan und Harry machen Schluss mit der Boulevardpresse. Leichter gesagt als getan. Immerhin sind sie vorher zurückgetreten.

Harry und Meghan

Harry und Meghan im März in London Foto: Henry Nicholls/reuters

Das hatten wir doch schon mal so ähnlich bei den Wulffs, oder? Wir erinnern uns: Der CDU-Schwiegersohn aus dem Panama-, nein Anden-Pakt der Union, den Angela Merkel dann souverän ins Amt des Bundespräsidenten abservierte. Christian Wulff dachte damals, er hätte die Boulevardpresse im Griff. Und erst recht die Bild-Zeitung. Für sie gab’s tolle und total gestellte Zufallsbegegnungen mit der neuen Mrs. Wulf beim Spaziergang. Plus ’ne schicke Homestory aus der fragwürdig finanzierten Klinkerhölle.

Doch dann entzweiten sich der Prinz Charming aus Großburgwedel und die machtgeile Meinungsschleuder aus der Hauptstadt. Und noch ein paar Monate später sprach der erste Mann der Bundesrepublik dem damaligen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann unsterbliche Worte auf die Mailbox: „Der Rubikon ist überschritten“, und er sei jetzt auf dem Weg zum Emir.

Womit wir bei Meghan und Harry wären, also den Sussexes. Die sind bekanntermaßen aus der britischen Krone ausgestiegen, soweit man das kann. Jetzt haben sie den nächsten konsequenten Schritt getan und à la Christian Wulff auch den britischen Boulevardblättern die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Am Sonntagabend trudelte in den Chefredaktionen der Sun, des Express, des Mirror und sogar der Daily Mail ein Schreiben ein, das klare Kante zeigte: Anfragen der britischen Tab­loids würden ab jetzt ignoriert. Die Sussexes, so der Brief, weigern sich ab sofort, „als Währung für ein Geschäftsmodell zu dienen, das auf Clickbaiting und Verzerrung“ aufgebaut sei. Dies sei kein Angriff auf die Pressefreiheit, vielmehr stünden sie für Anfragen seriöser Medien gern zur Verfügung.

Meghan und Harry sind konsequenter

Vor allem mit der Mail haben Meghan und Harry mehr als nur ein Hühnchen zu rupfen. Schließlich zog das Blatt monatelang über Meghan her. Denn die ist nach Meinung der kleinbürgerlichen Zeitung nicht englischrosig-blaublütig genug. Schließlich ist Harry, Teilausstieg aus der Königsfamilie hin oder her, immer noch die aktuelle Nummer drei in der Thronfolge.

Am Freitag beginnt in London der Prozess von Meghan gegen die Mail on Sunday, weil das Blatt private Korrespondenz veröffentlicht hat. Harry prozessiert derweil schon seit Längerem gegen die Verlage von Sun und Mirror, weil die Blätter die Mailboxen Dutzender Prominenter gehackt und abgehört hatten.

Womit wir wieder bei Christian Wulff wären. Bild hatte damals dafür gesorgt, dass Wulffs peinliche, weil inkonsequente Mailboxbotschaft natürlich den Weg in die Öffentlichkeit fand. Am Ende blieb ihm nur der Rücktritt. Da waren Meghan und Harry konsequenter. Sie sind schon als Royals zurückgetreten und vollziehen jetzt den nächsten Schritt. Und wenn er nicht funktioniert, können sie ja immer noch den Rat meiner Mitbewohnerin beherzigen: „Dann kaufen sie die Blätter einfach.“

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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