Medikament gegen das Coronavirus: Kein Wunder, aber ein Mittel

Remdesivir soll als Mittel gegen Covid-19 bald vorläufig zugelassen werden. Meldungen, es rette Menschenleben, sind verfrüht, zeigen taz-Recherchen.

Der tschechische Covid-19-Pa­tient Robert Markovic

Wurde in Prag mit dem Medikament Remdesivir behandelt: der Covid-19-Pa­tient Robert Markovic Foto: CTK Photo/imago

Es war eine große Hoffnung im Kampf gegen das neue Coronavirus, als am 29. April das Nationale Institut für Al­lergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA verkündete: Der Wirkstoff Remdesivir verkürzt die Dauer der Erkrankung Covid-19, die das Virus Sars-Cov-2 verursacht, um vier auf 11 Tage.

Und nicht nur das: Auch die Sterblichkeit von Patienten sinke, um ungefähr ein Viertel. Sollte also das vom US-Pharmaunternehmen Gilead ursprünglich gegen Ebola entwickelte Remdesivir das Mittel sein, das endlich gegen Corona hilft? Der Gamechanger im Kampf gegen die Pandemie? Keine Impfung, aber eine Therapie?

Präsident Donald Trump drängte auf eine Notfallzulassung, die auch einige Tage später in den USA folgte, kurz darauf zog Japan nach. Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Präsidentenberater und mittlerweile die rationale Stimme in den USA im Kampf gegen die Pandemie, verwies allerdings darauf, dass die gesunkene Sterberate statistisch noch nicht signifikant sei. Genau genommen lag die Wahrscheinlichkeit, dass die höhere Zahl an Überlebenden nur Zufall war, bei 5,9 Prozent. Ab fünf Prozent gilt die Wirksamkeit eines Medikament als erwiesen.

taz-Recherchen zeigen nun, dass es mit den vorläufigen Ergebnissen der Studie ein zweites Problem gibt: Die Daten zur Sterblichkeit haben nicht nur die statistische Signifikanz verpasst, sie sind auch schlicht nicht vollständig. Weil „eine signifikante Anzahl der Patienten noch nicht Tag 28 erreicht hatte, als die vorläufige Analyse erstellt worden ist“, wie die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA auf taz-Anfrage mitteilte. Sprich, viele Patienten der Studie waren noch gar nicht zu Ende behandelt, als die US-Behörden verkündeten, Remdesivir rette Menschenleben. Auch eine Studie aus Wuhan in China kam zu dem Schluss, Remdesivir helfe nicht, die Sterblichkeit zu senken – sie galt aber als nicht aussagekräftig, weil sie wegen Patientenmangel abgebrochen werden musste.

Es gibt ein Medikament. Nebenwirkungen? Vertretbar.

Die besagte internationale Doppelblindstudie unter US-Führung startete am 21. Februar zunächst in einer Klinik in den USA. Später beteiligten sich weltweit über 60 Kliniken mit 1.063 Patient*innen. Behandelt worden sind Erkrankte mit verschiedenen Verläufen. Von leichten bis zu solchen, die bereits künstlich beatmet werden mussten – von denen in der Regel die Hälfte stirbt, wie die EMA schreibt. Finanziert hat das alles das US-Gesundheitsministerium, nicht der Hersteller. Doppelblind heißt, dass weder die Patient*innen noch die behandelnde Ärzte wissen, wer das Medikament und wer ein Placebo verabreicht bekommt.

Das Geschenk Gottes

Trump pries es als „Geschenk Gottes“. Der US-Präsident nimmt seit eineinhalb Wochen das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin als Corona-Prophylaxe. Die US-Arzneibehörde warnt: Es gebe keine belastbaren Beweise einer Wirksamkeit, das Mittel erhöhe das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen. Derzeit läuft eine Studie mit 2.000 Proband*innen, die klären soll, ob Hydroxychloroquin gemeinsam mit einem Antibiotikum hilft.

Impfungen

Therapien gegen Covid-19 sind wichtig, wirklich beenden können die Pandemie aber nur Impfstoffe. Das US-Biotech-Unternehmen Moderna hat diese Woche von „positiven Zwischenergebnissen“ in der ersten Phase von klinischen Tests berichtet. Allerdings nur bei 8 von 45 Studienteilnehmenden. Kaum aussagekräftig.

Fazit

Laut WHO werden derzeit weltweit acht Impfstoffe klinisch an Menschen getestet, mit dabei das deutsche Unternehmen BioNTech mit Sitz in Mainz. An 110 weiteren Impfstoffen wird weltweit geforscht. (ia/dpa/afp)

Noch ist es gut möglich, dass die endgültige Auswertung der Studie auch bestätigt, dass Remdesivir tatsächlich Menschenleben rettet. In den kommenden Tagen sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden. Am Montag dieser Woche löcherten die Parlamentarier des Gesundheitsausschusses im EU-Parlament den Direktor der EMA, Guido Rasi, zu möglichen Impfstoffen gegen Sars-Cov-2 und zu Medikamenten gegen die Krankheit Covid-19. Auf eine Frage zu Remdesivir sprach Rasi in seine Webcam: „Eine bedingte Zulassung könnte in den nächsten Tagen möglich sein.“ Dann wäre es amtlich: Es gibt ein Medikament gegen das Virus. Nebenwirkungen: Vertretbar. Vermutlich. Bei einigen Studienteilnehmern sind Leberschäden aufgetreten, selten auch schwere.

Rasis Satz ging durch die Presse, allerdings oft ohne einen wichtigen Zusatz: Die Aussage gelte vorbehaltlich.

Weil ganz Europa sehnsüchtig nach Erfolgen im Kampf gegen Corona an der Medizinfront wartet, hat die EMA ein vor vier Jahren eingeführtes Notfallprogramm aktiviert: Normalerweise müssen alle Studien zur Zulassung eines Medikaments vor einem Prüfverfahren durch die EMA eingereicht werden, das dauert. Bei Medikamenten gegen das neue Coronavirus soll es nun deutlich schneller gehen: Da sondiert eine Art ständiger Expertenausschuss die Lage bei aussichtsreichen Mitteln permanent. Sobald vorläufige Daten ergeben, dass eine Zulassung medizinisch Sinn macht, also mehr Nutzen als Schaden bringt, wird sie auf Antrag der herstellenden Firma vorläufig erteilt. Ändert sich die Datenlage, kann sie auch wieder entzogen werden. In Sachen Remdesivir postet die EMA die Updates, sobald sie vorliegen – und hat in ihrem jüngsten vom 11. Mai Remdesvir empfohlen, zum Einsatz bei Covid-19-Pa­tien­ten mit schwerem Verlauf.

Man möchte keine falschen Hoffnungen wecken

Jedoch sagte EMA-Chef Rasi vor dem EU-Parlament auch in Bezug auf Impfstoffe immer wieder, dass er keine Hoffnungen wecken wolle, die später enttäuscht würden. Auch Hersteller Gilead, der in eigenen Studien eine Wirksamkeit des Medikaments gezeigt hat, betreibt ein eher zurückhaltendes Erwartungsmanagement: „Bitte verstehen Sie unsere zurückhaltende Kommunikation: Bei Remdesivir handelt es sich um eine Substanz in der klinischen Prüfung [...] und es wurde noch kein Nachweis für seine Wirksamkeit und Sicherheit in irgendeiner Indikation erbracht“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage.

In Deutschland nahmen drei Klinken an der internationalen Studie unter der Leitung von Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln teil. Er geht davon aus, dass sich am wesentlichen Ergebnis der Studie nichts mehr ändern werde. Die Datenlage, dass Remdesvir helfe, sei Ende April so klar gewesen, dass sich die Studienleitung in den USA entschieden habe, die Studie zu „entblinden“. Sprich, Patient*innen, die bisher das Placebo erhalten haben, sind auf Remdesivir umgestellt worden. Einfach deshalb, weil behandelnden Ärzte darum baten; sie wollten nicht Patienten sterben lassen, denen sie möglicherweise helfen könnten.

In Deutschland selbst sind im Rahmen der Studie bisher 13 Patient*innen behandelt worden, die Ärzte wissen bis heute nicht, wer Remdesivir und wer das Placebo bekommen hat. Aber die Datenlage sei eindeutig, sagt Fätkenheuer. „Ich warne vor Übertreibungen in beide Richtungen: Remdesivir ist auf kein Fall ein Wundermittel. Aber es wirkt definitiv gegen das neue Coronavirus“, sagt er der taz. Möglicherweise würden sich künftig auch noch bessere Ergebnisse erzielen lassen: So hätten an der Studie auch bereits schwerst Erkrankte teilgenommen, bei denen Remdesivir vermutlich zu spät kam. Hätten sie das Mittel früher bekommen, hätten sie vielleicht überlebt.

Ähnlich beschreibt es Peter Liese, CDU-Politiker, selbst Arzt und gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, nach Gesprächen mit der EMA und Virologen: „Man kann Remdesivir nicht jedem geben, der hustet“, sagt er. Es gebe wahrscheinlich nur ein kleines Zeitfenster, in dem der Wirkstoff helfe. Dann, wenn ein schwerer Verlauf von Covid-19 absehbar ist und noch genug Virus im Körper sei. Zu einem bestimmten Zeitpunkt sei die Viruslast geringer, aber die Krankheit gehe in ein tödliches Stadium. Dann helfe wohl auch Remdesivir nicht.

Das Mittel könnte zum Politikum werden

Eine Hilfe scheint Remdesivir also zu sein – und so könnte das Mittel zu einem Politikum werden. Weil es schlicht noch nicht ausreichend verfügbar ist. Bis Ende des Jahres könne man eine Million Behandlungen sicherstellen, schreibt Gilead, weil möglicherweise geringere Dosen bereits helfen, eventuell auch mehr. Man sei dabei, ein internationales Konsortium aufzubauen, um die Produktion zu steigern, so die Firma auf Anfrage.

Die BBC berichtet, mit fünf Generika-Herstellern in Indien und Pakistan seien bereits Vereinbarungen getroffen worden, um das Medikament gebührenfrei herzustellen. Ob in Deutschland oder Europa produziert werden soll, dazu macht die Firma keine Angaben – das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, man stehe mit Gilead und Frankreich in Kontakt, um die Produktion zu erhöhen.

CDU-Politiker Liese sagt nach Gesprächen mit der Firma, dort fürchte man, dass Donald Trump einen Exportstopp verhängen könnte – was aber unklug wäre: Laut dem Fachmagazin Statnews ist die Produktion eines Medikaments wie Remdesviri alles andere als trivial und vor allem von Zulieferern aus China und anderen Staaten abhängig.

Doch auch ohne Trump-Spinnereien ist völlig unklar, wie das Medikament verteilt werden soll, wenn vor allem in den nächsten Monaten die Nachfrage die Produktion um ein Vielfaches übersteigen könnte. Auch der Preis ist offen: Den kann das Unternehmen in Deutschland im ersten Jahr frei festlegen, erst dann wird mit den Kassen verhandelt. Und möglicherweise wird das Medikament nur ein Jahr lang benötigt, weil es danach einen Impfstoff gegen Sars-Cov-2 geben könnte.

Keinen Einfluss auf die Debatte um Lockerungen

Als Gilead 2014 das Medikament Sovaldi auf den Markt brachte, das Hepatitis C heilen kann, war es zwischenzeitlich das teuerste Medikament der Welt. Eine Therapie kostete bis zu 120.000 Euro. Erst nach einem Untersuchungsausschuss in den USA und intensiven Verhandlungen in Deutschland senkte Gilead die Preise. Damals habe sich das Unternehmen sehr unbeliebt gemacht. „Ich habe den Unternehmen klar signalisiert: Wenn ihr dauerhaft hier verkaufen und forschen wollt, dann müsst ihr uns in der Krise auch entgegenkommen“, sagt Liese heute. Er bringt Zwangslizenzen ins Spiel, die EU-Staaten koordiniert auf nationaler Ebene einführen könnten. Dann müsse Gilead anderen Herstellern Lizenzen erteilen – und der Staat bestimmt den Preis.

Selbst wenn Remdesivir in den nächsten Tagen in der EU vorläufig zugelassen wird: Auf die aktuellen Debatte um Lockerungen dürfte es keinen Einfluss haben. „Remdesivir ist kein Argument gegen die immer noch nötige Abstandsregeln im öffentlichen Lebens“, sagt Liese. Das Gegenteil sei der Fall: Der Wirkstoff sei ein Baustein, der dabei helfe, Menschenleben zu retten.

Auch der Einsatz anderer Medikamente, um Symptome von Covid-19 einzudämmen, werde immer effektiver. Wenn eher im Dezember als im September genug Remdesivir zur Verfügung stehe, dann sei das ein Argument, die Einschränkungen so lange fortzuführen.

Der Mediziner Fätkenheuer sieht ebenfalls viele Fragen rund um Remdesivir offen. Es sei noch deutlich zu früh einzuschätzen, ob das Mittel die öffentliche Situation beeinflusse. „Was wir aber sicher sagen können: Wir haben jetzt zum ersten Mal ein Medikament mit nachgewiesener Wirksamkeit.“

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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