: Maier auswechseln
■ Die zurückgetretene GALierin Anna Bruns beschimpft grünen Senator
Nun muß sie keine Zurückhaltung mehr üben. Befreit vom Zwang, auf den SPD-Koalitionspartner und die grünen Realos Rücksicht nehmen zu müssen, läßt die zurückgetretene prominente GAL-Abgeordnete Anna Bruns ihrem Zorn freien Lauf. Stadtentwicklungssenator Willfried Maier (GAL) habe sich „zum Protokollanten reaktionärer Politik“ gemacht, sagte die 61jährige auf einer Veranstaltung am Donnerstag abend. Gemeint ist das „Handlungskonzept Hauptbahnhof“, das unter Maiers Federführung entstanden ist und von Bruns als „grünes Bettlerpapier“ gegeißelt worden war. Sie wirft Maier vor, die Vertreibung von Randständigen mitzutragen. „Wir hätten diesen Senator auswechseln müssen.“
Kritik an ihren Ansichten mußte die GAL-Linke auf der Podiumsdiskussion der „Sozialpolitischen Opposition“ nicht befürchten; der Zusammenschluß von rund 100 Organisationen, Projekten und Verbänden gebärdete sich von Anbeginn der Koalition sehr rot-grün-skeptisch. Bruns empfahl der Versammlung, Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) „seine Borniertheit aus dem Kopf zu blasen“. Denn sich mit den Krankenkassen darum zu streiten, wer die Ersatzdroge Methadon für die Junkies zu bezahlen hat, sei „unheimlich deutsch“. Überhaupt zeichne sich die „inkompetente Drogenpolitik“ des Senats nur dadurch aus, „Günstlingen Geld zuzuschanzen“. Statt der „blöden, luxuriösen, akademischen Dezentralisierung“ sollten lieber zusätzliche Fixerräume in St. Georg und dem Schanzenviertel eingerichtet werden, so Bruns.
Ihrer Ansicht nach „muß sich niemand von einem Straßendeal bedroht fühlen“. Zuviel Geld fließe in polizeiliche Maßnahmen, denn die Beamten „arbeiten ja nicht ehrenamtlich“. Statt weiter auf das gescheiterte Law-and-Order-Konzept zu setzen, wünscht die „Sozialpolitische Opposition“ sich „Duldungsräume“ für Junkies und ihre Dealer.
Darüber hinaus fürchten Bruns und ihre MitstreiterInnen, daß das bahnhofsnahe Rotlicht- und Drogenviertel St. Georg der Yuppisierung anheimfallen könnte. Eine soziale Erhaltensverordnung müsse her. Andernfalls bestünde die Gefahr, so Bruns, daß St. Georg zum „Hinterland des Atlantic-Hotels“ werde. Silke Mertins
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