Lehrkräftemangel in Berlin: Die Senatorin bittet zu Tisch

Bildungssenatorin Busse (SPD) will einen Runden Tisch zum Lehrkräftemangel. Es soll eine offene Debatte geben, wie viel Unterricht noch leistbar ist.

Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) Foto: picture alliance/dpa | Britta Pedersen

BERLIN taz | Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) will die Debatte über Pflichtstunden in den Schulen perspektivisch offener führen als zunächst angekündigt. Es gehe darum, „die Stundentafel in einem Prozess zu hinterfragen und zu reformieren“, wie Busses Sprecher am Sonntag sagte. Dafür wolle man nun auch einen „Runden Tisch zum Lernen und Lehren im 21. Jahrhundert“ einrichten.

Seit Busse sich im Mai hinsichtlich einer Lehrkräftelücke von knapp 1.000 Fachkräften zum kommenden Schuljahr „ehrlich gemacht“ habe, wie ihr Sprecher sagt, schwelt die Debatte, wie die Schulen mit diesem Mangel umgehen sollen. Busse hatte auf der Pressekonferenz zur Lehrkräftelücke damals betont, es werde keinesfalls an den Pflichtstunden – der sogenannten Stundentafel – gekürzt. Die Schulen müssten stattdessen beim Förderunterricht oder in ihren Profilbereichen, etwa bei Kunst oder Musik, kürzen.

Das pauschale Kürzen von Förderstunden wiederum sorgte für Protest: Bil­dungs­po­li­ti­ke­r*in­nen der rot-grün-roten Koalition meldeten sich zu Wort, der Landeselternauschuss ebenso. Man wünschte sich eine offenere Debatte.

Diskussion erwünscht

Busses Sprecher beteuert nun, die Senatorin habe nur mit Blick auf das kommende Schuljahr gesprochen: „Dazu brauchen die Schulleitungen jetzt Sicherheit und Verlässlichkeit.“ Perspektivisch brauche man „aber natürlich eine Debatte“ über die Stundentafel, auch: „Ist die Wochenstundenzahl noch sinnvoll?“

Quasi als Debattenbeitrag auf dem Tisch liegt bereits ein Vorschlag von SPD-Politiker*innen. Statt fixer Stundenvorgaben für jedes Fach hätten die Schulen ein flexibler einzusetzendes Stundenkontingent – das sie zum Beispiel auch gerade zugunsten von Förderunterricht einsetzen können.

Grüne-Strategiepapier zum Lehrkräftemangel

„Wenn Kürzungen nicht strukturiert erlaubt werden, werden sie faktisch trotzdem passieren.“

Abgeordnete der Grünen-Fraktion wiederum schlugen in einem „Strategiepapier Lehrkräftebedarf“ vor, Sportvereine mit ins Boot zu holen und Fächer wie Sport zumindest teilweise in „unbenotete Lernprojekte“ umzuwandeln. Außerdem müssten Kriterien erarbeitet werden, nach denen die Schulen eigenverantwortlich bei den Pflichtstunden kürzen dürfen. Denn: „Wenn Kürzungen nicht strukturiert erlaubt werden, werden sie faktisch trotzdem passieren.“ Dafür brauche es einen Runden Tisch mit der Verwaltung, „und zwar noch im Juli“, heißt es in dem Papier.

Der soll nun kommen – auch wenn Busses Sprecher Wert darauf legt, dass es nicht nur um den akuten Lehrkräftemangel gehen soll, sondern viel grundsätzlicher eben um „das Lernen im 21. Jahrhundert“. Ein „interessantes Framing“, findet Landeselternsprecher Norman Heise. Er bestätigt, dass die Verwaltung am Montag zu einem Termin geladen habe, wo es um dieses Thema gehen soll. Die erste Sitzung sei voraussichtlich nach der Sommerpause sinnvoll, heißt es aus der Bildungsverwaltung. Aus Sicht von Heise muss das schneller gehen: „Die Schulen müssen in den Ferien ihre Stundenpläne bauen, da wäre es sinnvoll, schon vorher Leitplanken zu setzen.“

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