Kuriose Gedenktage: Katzen wollen autofreie Tage
Die spinnen, die Amis, würde Obelix sagen. Wenn er wüsste, was die Leute jenseits des Atlantiks alles für gedenkwürdig halten.
W ussten Sie, dass der 22. Januar in den USA als der „Beantworte-die-Fragen-deiner-Katze-Tag“ begangen wird? Keine leichte Übung, könnte man meinen, außer vielleicht, man heißt Dr. Dolittle. Möglicherweise braucht Frauchen am National Answer Your Cat´s Question Day aber auch nur ein wenig Fantasie, um an den Augen ihres eigensinnigen Vierbeiners abzulesen, wo die Pfote drückt: „Was denn, heute kein Thunfisch?“ Oder: „Du willst jetzt nicht Nachbars Hund ins Haus lassen?“
Ehrlicherweise lässt sich mangels repräsentativer Untersuchungen nicht genau sagen, wie viele KatzenhalterInnen dem Aufruf tatsächlich nachkommen oder wer genau am 2. Januar das Katzenneujahr Happy Mew Year begeht. Ehrlicherweise ist zudem zu erwähnen, dass es sich bei beiden Feiertagen um die Erfindung eines Nahrungsergänzungsmittel vermarktenden Ehepaars handelt. Allerdings kann man einem Volk, dass jemanden wie Donald Trump gleich zweimal zum Präsidenten wählt, wahrlich einiges zutrauen.
So sollte auch der nationale Library Shelfie Day, der Tag des Büchereiselfies, stets am 4. Mittwoch im Januar, genauso wenig zu Irritationen führen wie der Daisy Day der Gänseblümchen oder der Blaubeerpfannkuchentag, jeweils am 28. Januar. Dabei könnte es schon ein wenig politischer zugehen, allein der Brisanz wegen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Gedenktag für vergessene Wahlversprechen oder aktuell der Jetzt-reicht’s-mal-mit-dem-Winter-Tag.
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International ließe sich mal der Sick-off-Trump-Tag zelebrieren, wahlweise je nach Region durch Sick-off-Putin-, -Erdoğan-, -Netanjahu-, -Xi- oder -AfD-Tag ersetzbar. Die Liste kurioser Gedenktage ließe sich endlos fortsetzen: Grönlandrettungstag, Russlandkapitulationstag, Palästinensischer Unabhängigkeitstag, Iranischer Befreiungstag. Wunschdenken.
Realistischer wäre dann schon eher der Autofreie Tag. Den gab es in Deutschland an vier Sonntagen, als 1973 das Öl knapp wurde. Und später beschloss die EU, jeweils zum 22. September an die AutofahrerInnen zu appellieren, es mal unmotorisiert zu probieren. Was allerdings so wenig obligatorisch blieb wie die Katzenbefragung in den USA. Blöd fürs Klima und für die Schnurrer.
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