Kunstprojekt „Stadtflussland Berlin“: Was Berlin mit der Lausitz zu tun hat

Um Klima- und Strukturwandel am Beispiel Berlins und der Lausitz geht es am Wochenende bei einem Kunstprojekt entlang der Spree.

Kunst auf der Spree als Verbindung zwischen Berlin und der Lausitz Foto: Daria Kornysheva

Es geht jetzt mal nicht um DIE Ostsee. Sondern DEN Ostsee. Anders formuliert: Was hat Berlin mit den am Ende des fossilen Zeitalters gebeutelten und verschandelten Landschaften im Nachbarland Brandenburg zu tun? Eine ganze Menge, findet eine illustre Schar von Künst­le­r:in­nen und veranstaltet ab Freitagnachmittag das ganze Wochenende lang „Stadtflussland“, ein „Landschaftstheater“ mit Installation, Performance und Musik.

Ausgangspunkt dieser terminlich perfekt gesetzten Kunst-Intervention – die UN-Klimakonferenz in Glasgow lässt grüßen! – ist der Umstand, dass die Spree die Hauptstadt, diesen energiefressenden Moloch, mit den verschwundenen Dörfern und den ausgekohlten Gebieten in der Lausitz verbindet. Dem geschundenen Landstrich also, wo die großen Löchern, die der Braunkohletagebau hinterlässt, oft mit Wasser gefüllt zu Seen werden. Weil das das Einfachste ist. Aber das dauert: Bis 2030 wird aus einem solchen riesigen Loch der 1.900 Hektar große (das entspricht 2.661 Fußballfeldern) Cottbuser Ostsee entstehen.

Das Landschaftstheater Stadtflussland ist zu sehen von Freitag bis Sonntag (5.–7. 11.) um jeweils 16 Uhr am Mercedes Platz/Mühlenstraße, 18 Uhr am Dom-Aquarée/Karl-Liebknecht-Brücke, 19.30 Uhr am Haus der Kulturen der Welt; Eintritt frei.

Die Spree als natürliche Verbindung zum Lausitzer Kohlerevier bzw. dessen Überbleibseln ist also der ideale Ort für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Fragen rund um Klima- und Strukturwandel sowie Zukunft. „Recherchepraxis“, ein Performancekollektiv „mit poetischem und politischem Blick auf die Wirklichkeit“ (Eigenbeschreibung), lädt zum längst fälligen Perspektivwechsel ein. Ein Schiff mit Namen „Łužyca II“ (sorbisch für Lausitz; „Wuschiza“ ausgesprochen) wird dabei drei Tage lang an verschiedenen Uferabschnitten der Spree von einem Chor in Empfang genommen. An drei Anlegestellen zwischen Oberbaumbrücke und Regierungsviertel findet jeweils eine 30-minütige Performance statt.

Bernadette La Hengst ist Teil des „Recherchepraxis“-Kollektivs. Die Musikerin und Theatermacherin hat 2019 den Chor der Statistik gegründet. Für „Stadtflussland Berlin“ hat La Hengst die Chor­sän­ge­r:in­nen befragt, was sie mit der Lausitz verbinden und die Antworten in Songtexte für zwei neue Lieder verdichtet, die Teil der Performance sind.

„Man muss sich nur mal vorstellen, dass dort 137 Dörfer verschwunden sind und riesige Löcher zurückblieben“, sagt sie der taz am Telefon, die Proben unterbrechend. „Wir haben uns mehrere der neu entstandenen Seenlandschaften angeschaut, man kann sie noch für nichts nutzen, nicht darin baden – man kann sie nur angucken.“

Der Song „Łužyca du visionäre Leere“ ist melancholisches Liebes- und Protestlied in einem. Darin heißt es: „Kann die Wunde, die du trägst, jemals verheilen?“

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