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Kultur für junge Ber­li­ne­r*in­nenBerlin macht Kultur kinderleicht

Der KinderKulturMonat ist am Start: An 115 Orten gibt es an allen Wochenenden im Oktober mehr als 300 kostenlose Veranstaltungen für Vier- bis Zwölfjährige.

„Was ist eigentlich Kultur?“, möchte die Sängerin und Botschafterin des KinderKulturMonats Sukini von der eigens angereisten Grundschulklasse aus Gesundbrunnen wissen. „Essen“, schlägt eins der Kinder vor. „Schlafen“, ruft ein anderes. „Ist Fernsehen auch Kultur?“, will Sukini wissen. „Auf keinen Fall“, antwortet eins, während die meisten anderen kichern.

Es ist eine gute Idee, den KinderKulturMonat im Gropius Bau mit einer Diskussion mit Kindern über die Definition von Kultur zu eröffnen. Denn genau sie sind es, die das Festival so niedrigschwellig wie möglich ansprechen will. An allen Samstagen und Sonntagen im Oktober richtet sich das Programm an Vier- bis Zwölfjährige. Berlinweit beteiligen sich 115 Kulturorte – von der Akademie der Künste bis zu den Museen der Zitadelle Spandau. Rund 300 eintrittsfreie Veranstaltungen gibt es, damit ist das Festival so groß wie nie zuvor.

KinderKulturMonat

Der KinderKulturMonat findet an allen Wochenenden im Oktober statt, also am 3. und 4.10., 10. und 11.10., am 17. und 18.10., am 24. und 25.10. und am 31.10.

Es gibt rund 300 Kulturveranstaltungen an 115 Orten in der ganzen Stadt.

Alle Infos und Termine unter www. kinderkulturmonat.de

Als der KinderKulturMonat vor 15 Jahren begann, waren 32 Orte dabei, erinnert sich Projektleiterin Chris Benedict. Heute reicht die Arbeit weit über die Oktoberwochenenden hinaus: mit Ausflügen aus Familienzentren und Geflüchtetenunterkünften sowie mobilen Bühnen im Stadtraum, mit fünfwöchigen Schul-Parcours für 9 Grundschulklassen aus Spandau und Neukölln, mit zweiwöchigen Ferien-Parcours für 60 junge Talente.

Der soziale Anspruch sei von Anfang an zentral gewesen, sagt Benedict. Es gehe nicht in erster Linie darum, dem kulturaffinen Stammpublikum für einen Monat kostenlosen Eintritt zu verschaffen. Erreicht werden sollen Kinder und Familien, denen sonst Geld, Sprache oder die räumliche Anbindung den Zugang erschweren. Türen öffnen, ohne Vorwissen und möglichst ohne Hürden, nur mit Anmeldung.

Ein Viertel hat nicht genug Geld für Kultur

Den Erfolg dieses Konzept zeigen eigene Befragungen: 2024 war mehr als die Hälfte der befragten Kinder zum ersten Mal beim KinderKulturMonat dabei, 65 Prozent entdeckten einen Kulturort, den sie vorher nicht kannten. Knapp ein Viertel gab an, dass ihnen das Geld fehle, um häufiger Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Über die Jahre sei ein großes Netzwerk von Künst­le­r*in­nen entstanden, die auch Workshops ohne Sprache konzipieren

Geld war auch für das Festival selbst immer wieder ein Problem. Die Finanzierung sei eine „Achterbahnfahrt“, sagt Benedict. Unterstützt wird das Projekt vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten sowie von den Berliner Senatsverwaltungen für Kultur und Bildung. Im vergangenen Jahr wurde rund ein Drittel der bisherigen Mittel gestrichen. Besonders getroffen hat das die sogenannten Schnupperkurse. Nur etwa die Hälfte dieser Kurse konnte stattfinden.

Wie sie funktionieren, erklärt Alan Ibrahim, der die Kooperationen organisiert. Lange vor Festivalbeginn fragt sein Team in Unterkünften für Geflüchtete und Familienzentren nach Interessen und Sprachbedarf. Dann kommt unter der Woche ein*e Künst­le­r*in für einen ersten Workshop in die Einrichtung; am Wochenende folgt ein gemeinsamer Ausflug zu einer Festivalveranstaltung. In diesem Jahr gibt es rund 40 Kooperationen mit Unterkünften und 10 mit Familienzentren. Über die Jahre sei ein tolles Netzwerk von über 20 Künst­le­r*in­nen entstanden, die es auch mal verstehen, Workshops ohne viel Sprache zu konzipieren: weniger erklären, mehr machen.

Am Ende stellt Sukini im Gopiusbau der Grundschulklasse noch einige Programmpunkte vor. Besonders lebhaft reagieren die Kinder auf „Märchenlauschen“, das am 24. und 31. Oktober im SonnenStudio in der Sonnenallee 126 stattfindet. Erst hören sie ein Märchen, dann erfinden sie Geräusche dazu und bauen aus Alltagsgegenständen eigene Instrumente: Es wird klappern, knistern, trommeln und flirren, bis die Geschichte ihren eigenen Soundtrack hat. Wie bei vielen Angeboten des KinderKulturMonats geht es dabei nicht nur ums Zuschauen, sondern ums Selbermachen – und damit um die Selbstwirksamkeit, die viele Berliner Kinder in ihrem Alltag nicht genug erleben.

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