Krise des Springer-Verlags: Natürlich ganz ironisch

Springer-Chef Mathias Döpfner verschickte eine SMS, in der er die Bundesrepublik mit der DDR verglich. Nun heißt es, das sei Ironie gewesen.

Eine Person hinter einem Rednerpult

Mathias Döpfner auf dem Kongress des BDZV im September Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Mathias Döpfner hat mal wieder einen rausgehauen. Julian Reichelt sei „halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden“. Geschrieben hat das der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer zu einem Coronakommentar von Reichelt. Nee, ist klar. Wenn Sie auf der nächsten „Querdenker“-Demo einen Zweimeter-Mann mit markantem Kinn sehen, gerne mal genauer hinsehen. Könnte ja der Springer-Chef sein.

War natürlich alles nicht so gemeint. Döpfner halte die Bundesrepublik keineswegs für eine neue DDR, ruderte der Konzern am Dienstag ist einem offiziellen Statement zurück. „Das wäre komplett absurd und sollte für jeden offenkundig sein, der den publizistischen Äußerungen von Döpfner folgt.“ Außerdem sei das ganze ja ironisch gemeint und bewusst übertrieben gewesen.

Hört sich irgendwie bekannt an und deutet auf eine flache Lernkurve hin. 2017 hatte Döpfner, der im Nebenjob auch Präsident des Verlegerverbands BDZV ist, über die digitalen Aktivitäten von ARD und ZDF gesagt: „Nur Staatsfernsehen und Staatspresse im Netz – das wäre eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea.“

Den Shitstorm danach versuchte er ganz ähnlich wie jetzt zu entschärfen und erklärte alles zum Gag. „Das war zugegebenermaßen eine polemische Zuspitzung. Ich bin aus Kreisen der ARD darauf hingewiesen worden, dass es vielleicht besser gewesen wäre, den Begriff DDR statt Nordkorea zu wählen. Da wäre ich durchaus verhandlungsbereit“, sagte Döpfner damals dem Spiegel. Anschließend musste er kleinere Brötchen backen. Aber die große Klappe blieb.

Denn Döpfner regte sich darüber auf, dass die Öffentlich-Rechtlichen in ganz alte Debattenmechanismen aus den achtziger Jahren zurückfielen. Da werde ein Begriff des „Gegners“ herausgepickt, „skandalisiert und aus dem Kontext gerissen. Dann gibt es eine Debatte über den Begriff – die Debatte über die Sache selbst wird damit sehr erfolgreich vermieden“.

Damit hat Döpfner exakt den „Debattenmechanismus“ von Bild unter Chefredakteur Julian Reichelt beschrieben. Dessen publizistische Leistung hält der Springer-Chef ja auch „richtig und extrem wichtig für dieses Land“, wie er in einer Videobotschaft an die Mitarbeitenden im Frühjahr verkündete.

„Döpfner und Bild können den Workshop 'Krawall 4.0’ belegen, damit sie in Zukunft zertifiziert für die Richtigen Remmi-Demmi machen“, rät die Mitbewohnerin. Sonst bedienen sie weiter die neue Generation der Verschwirrten von den Coronaleugnern bis zum Reichsbürgertum. Und die glauben am Ende noch: „Bild kämpft für Sie!“

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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