Korruption, HDP und katholische Kirche: Besorgter als Deutschland

Heiko Maas reagiert verhalten auf das Vorgehen gegen die prokurdische HDP. Derweil vergeht kein Tag ohne Korruptionserkenntnisse in der CDU.

Der ehemalige Chef der prokurdischen HDP.

Selahattin Demirtaş, Ex-HDP-Vorsitzender, sitzt seit 2016 in einem Hochsicherheitsgefängnis Foto: ZUMA press/imago

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Union hängt durch zwischen Laschet und Söder.

Und was wird in dieser besser?

Kretschmann wird dieses Jahr 73, so alt wie Adenauer bei Amtsantritt.

In EU-Ländern wird erneut mit AstraZeneca geimpft. Wie baut man wieder Vertrauen bei den zu Impfenden auf?

Prof. Drosten sagt, er wolle die Entscheidungen um AstraZeneca nicht bewerten und habe keine Hintergrundinformationen. Wenn ich die Frage beantworte, bin ich noch schlauer als der! Bei Twitter.

Ein Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln belastet vor allem Kardinal Meisner und Erzbischof Heße – sie sollen ihre Pflichten verletzt haben. Meisner ist tot, Heße bietet dem Papst seinen Rücktritt an. Ist das Problem damit aus der Welt?

Weihbischof Ansgar Puff. Bruder Domenikus Schwaderlapp. Erzbischof Woelki. Hör mal, Gott, findest Du es eine gute Gelegenheit, Witze zu machen? Statt mal die Aufmerksamkeit auf die „Alt-Katholiken“ zu lenken. In den Niederlanden, der Schweiz, auch in Deutschland sekten sie herum, spätestens seit dem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit 1870 auf eigene Oblate. Sie ordinieren Frauen und lassen den lieben Gott einen guten Mann bzw. Frau bzw. man will auch nicht alles wissen. Sondern in Ruhe glauben. So ’ne Art Inbrunst-Manufactum, „es gibt sie noch, die guten Kirchen“, bisschen elitär und einsam. Fraglich, ob die Glaubenspower der deutschen KatholikInnen noch für eine solide Kirchenspaltung genügen würde. Und ob man die Römischen mit ihrer kostspieligen Zuhälterei am rechten Glauben davonkommen lassen sollte.

Nachdem US-Präsident Biden den russischen Präsidenten Putin als „Killer“ bezeichnete, reagierte der scheinbar entspannt, wünschte Biden „Gesundheit“ und lud ihn zu einer Livedebatte ein. Wer würde die gewinnen?

Good news: Biden scheint gewiss, dass Putin nichts gegen ihn in der Hand hat. Jedenfalls nichts, was ihn so duldsam und verschwiegen machen könnte, wie Vorgänger Trump es war. Darauf wünschte Putin ihm mit triefender Ironie „gute Gesundheit, ganz ohne Ironie“. Biden demonstriert Härte zum Balkon hinaus, um ungestört im Keller mit Putin über das Iranabkommen und Abrüstungsverträge sprechen zu können.

Die USA haben von beteiligten Unternehmen den sofortigen Ausstieg aus dem Bau von Nord Stream 2 gefordert. Andernfalls drohen Sanktionen. Wer gewinnt hier?

Schalke. Wenigstens da. Dort fließt Bandenwerbung und Bandenkriminalität in eins, wenn sich „Tönnies“, „North Stream 2“ und moribunde Niederlagen zum Gesamtbild fügen. Die moralische Argumentation: Amerika will Europa und Deutschland vor Abhängigkeit von Russland schützen. In der Logik müsste Deutschland allen Sanktionen androhen, die Öl vom Schurkenscheich in Saudi-Arabien kaufen. Oder diesem seltsamen Land, das 2020 rund 3 Milliarden Liter Öl aus Russland kaufte: den USA.

Kaum ein Tag vergeht ohne einen neuen Korruptions- und Lobbyismus-Skandal bei CDU/CSU: Löbel, Sauter, Hauptmann, Zech. Alles Männer. Ist das Zufall?

Nein, logisch, wenn man Monika Hohlmeier, MdEP CSU, und Andrea Tandler, Lobbyistin, CSU, weglässt. Die „Amigo-Töchter“ Tandler und Hohlmeier stehen im Fokus von Ermittlungen zum Maskenwucher.

Die EU zeigte sich besorgt über das Vorgehen gegen die prokurdische HDP. Die Bundesregierung teilt diese Sorge, erwartet aber gleichzeitig von der HDP „eine klare Abgrenzung gegenüber der PKK“. Ist das besonnen, heuchlerisch oder feige?

HDP-Mitvorsitzender Selahattin Demirtaş sitzt seit 2016 in einem Hochsicherheitsknast. Ein türkischstämmiger Kollege fragte mich, wie viel das in Nawalny umgerechnet sei und ob es in Deutschland jemanden interessiere. Der „türkische Obama“ Demirtaş hatte seine Partei allgemein auf „Minderheiten“ ausgerichtet, Geschlechtergerechtigkeit, Religionsfreiheit. Doch Außenminister Heiko Maas schickt einen Sprecher vor, die Grünen Roth und Özdemir äußern sich deutlicher. Noch klarer protestiert die EU. Deutschlands Erpressbarkeit ist ein Albtraum, doch das Türschild „Bitte nicht wecken“ ist schon etwas übertrieben.

Und was machen die Borussen?

Mal ab davon, dass es gegenwärtig schlecht läuft: Es ist immerhin die gute alte Zeit, in der Haaland noch beim BVB war.

Fragen: cas, waam

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Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

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