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Konzert von Sängerin Aldous HardingWortkarg, schwankend, exzentrisch

Der neuseeländische Popstar Aldous Harding hat bei seinem Konzert im Berliner Huxleys am Sonntag dringend benötigte Kühle in die überhitzte Stadt gebracht.

Als die neuseeländische Königin des Verschrobenen, Aldous Harding, die Bühne des Berliner Huxleys betritt, kippt die Stimmung im Saal ins Sakrale. Schon die geisterhafte Klimaanlagenkälte und die blaue Dunkelheit hier oben, über dem Baumarktparkplatz, standen beim Betreten des Raums in bizarrem Kontrast zum davor hitzehechelnden Herrmannplatz, der lärmenden Fête de la musique in den umliegenden Straßen und der stechenden Abendsonne. Doch nun, als Harding in glänzendem Baseballblouson, ihre Arme um sich selbst geschlungen, „Train on the Island“, den titelgebenden Song ihres kürzlich veröffentlichten Albums anstimmt, versinkt die Menge im andächtig Anderen.

Als melodisch-zugänglicher wird ihre letzte Veröffentlichung beschrieben, doch Hardings ganz eigener, mythischer Exzentrik tut dies keinen Abbruch. In schwankenden Bewegungen windet die Sängerin ihre Hände, drückt etwas schützend, streichelnd an ihren Körper, was man nicht erkennen kann, bis man versteht, dass da nichts ist, nur die bizarre Gestik und diese für sie so typischen kehligen Klänge; und, dass es vielleicht genau dieser immaterielle Klang ist, um den die 36-Jährige sich da windet, während im Hintergrund ein vogelähnlicher Synthesizer fiepst.

Was folgt, ist Stille. Sie wird sich durch den Abend ziehen und damit das eindringlichste Geräusch werden, welches Harding auf diesem Konzert erzwingt. Dann ruft jemand „Wooooohoooo“. Auch das ein wiederkehrender Klang, leitet der ohrenscheinlich gleiche Rufer doch nach fast allen der gespielten Songs damit den begeisterten Applaus des Publikums ein, das, bestehend aus einer Menge bildenden Künstlern, Architekten mit schicken Brillen, Lichterfelder Nepo-Baby-Influencer, Charlottenburger Großmüttern, jede Menge schwangerer Frauen und Devendra-Banhart-in-allen-Phasen-Lookalikes mit glänzenden Augen, vereinzelt oder zu Paaren verschlungen mit großer Ernsthaftigkeit der Performance lauscht.

Starre Mimik

Und was für eine Performance das ist. Ein Durchdeklinieren der Merkwürdigkeit, die hier, in Hardings Fall ganz wörtlich zu nehmen ist. Jede ihrer Gesten möchte man sich einprägen, jedes abgebrochen-geschleuderte Handgelenk, jedes müde Schulterzucken, jedes Beinschlendern, jedes Atmen, jede Ambivalenz im Schlucken der Töne, der starren Mimik. Und diese fremdartige Bewegung, als sei sie der geschmeidigste Stock, wenn sie sich bei „Fever“, einem der Songs des vorangegangenen Albums, auf den Boden legt und kurz ins Mikro schluckt, bevor sie „Coats“ anstimmt, eins dieser toll-lyrisch verrätselten neuen Lieder: „Big thick coats on the dogs of people/Just trying to help“ („Dicke, schwere Mäntel an den Hunden der Leute / ich will doch nur helfen“), wie es im Refrain heißt.

Das aufmerksame Zuhören gilt auch für die Bühne. Die Präzision, mit der Hardings Bandkollegen all diese Töne produzieren, erfordert Konzentration auf allen Seiten. Da sind spukende Orgelklänge („If Lady Does it“), reibende Stahlbesen („San Francisco“) und überhaupt die hypnotisierenden Schlagzeughände des seitlich sitzenden Sebastian Rochford.

Meist ist es die deutsche Chanteuse Nico zu Velvet Underground- Zeiten, mit der Aldous Hardings Tamborinvorliebe und Bereitwilligkeit zum geplante Abrutschen ins Knirschende verglichen wird, doch kommt einem auch die Seriösität des späten Lou Reed in den Sinn, beobachtet man das Wortkarge, ein Bewusstsein der eigenen Performanz bei gleichzeitigem Ignorieren des Publikums. Nur wenig Kommunikation von Aldous Harding richtet sich in den Raum. Kurz vor Schluss der einzige klare Satz: „Im happy to be here, thank you so much“. Was für eine schlichte, schöne und an diesem Abend so allgemeingültige Wahrheit.

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