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Kommenter Extreme GewaltEin Defizit bei linker Selbstkritik

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Nichts kann die Schläge der Neonazis gegen einen jungen Linken rechtfertigen. Lauter Protest dagegen ist nötig. Doch radikale Antifas müssen ihren Umgang mit körperliche Gewalt überdenken.

Nichts, aber auch gar nichts kann den brutalen Angriff von vier Rechtsextremen auf einen jungen Linken am vergangenen Sonntag rechtfertigen. Wie auch immer die Vorgeschichte war - wenn ein junger Mann fast totgeschlagen wird, ist das ein entsetzliches Verbrechen. Wenn dahinter auch noch mehr oder weniger dumpfes rechtsradikales Gedankengut steht, muss ein Zeichen dagegen gesetzt werden. Deshalb verdient der Protest am Samstag alle Unterstützung. Die Demo muss - dem Anlass entsprechend - laut sein, stark und wütend. Unübersehbar.

Unübersehaber aber ist leider auch ein Aufarbeitungsdefizit auf Seiten der Linken - vor allem beim Umgang mit körperlicher Gewalt. Jeder ist aufgefordert, Nazis gegenüber Gesicht zu zeigen. Auch Selbstverteidigung gegenüber brutalen Nazis ist okay. In allen anderen Fälle aber muss es beim Versuch bleiben, mit dem Intellekt die rechte Ideologie zu übertrumpfen. Das ist leider eine Sisyphosaufgabe. "Thor Steinar"-Klamottenträger wird man so nicht aus dem Kiez vertreiben. Doch Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Wer sie anwendet, lässt sich herab auf das Niveau des Gegners.

Wer sie dennoch anwendet, darf sich hinterher nicht darüber beschweren, in den Fokus der Polizei zu geraten. Auch nicht mit dem Argument, dass in den eigenen Reihen jemand viel heftiger verletzt wurde. Zum Glück leben wir in einem Staat, in dem die körperliche Unversehrtheit aller - egal welche politischen Richtung - ein hohes Gut ist.

Wer sie dennoch anwendet, sollte sich zumindest fragen, ob er nüchtern die Situation einschätzen kann. Wie kann es eigentlich passieren, dass aus einer Zehnergruppe einer zurückbleibt, so dass er von Nazis halb tot geschlagen werden kann? Eine gut organisierte Antifa-Aktion, auf die in linksradikalen Kreisen sonst so viel Wert gelegt wird, sieht jedenfalls anders aus.

Und jetzt bitte auf zur Demo, 18 Uhr, Bersarinplatz.

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Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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6 Kommentare

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  • G
    graciano

    wenn man dir eine reinhaut lieber gereon, dann kommt bestimmt keine gewalt zurück

  • F
    Fabi

    Lieber Geron,

     

    hast Du schonmal versucht mit einem "Thor Steiner Affen" eine intelektuelle auseinandersetzung zu führen? So wie sich Dein Kommentar liest glaube ich das nicht. Dafür sind besagte Herren nämlich meist nicht zu haben. Ich betreibe seit vielen Jahren aktiven Antifaschismus auf vielen Wegen aber von einer intelektuellen Auseinandersetzung mit Nazis nehme ich aufgrund meiner Erfahrung mittlerweile Anstand. Denn wenn ich wählen kann zwischen der körperlichen Unversehrtheit eines intoleranten Idioten und meiner Eigenen, ist die Wahl doch klar!

    Deine Kritik an der Antifa geht zwar in die richtige Richtung, denn auch in linken Kreisen gibt es Tendenzen zu "Mackertum" und elitärem Denken.Aber denoch erscheint mir deine Kritik zu undifferenziert

     

    Gruß Fabi

  • H
    hermit

    es ist einfach zum lachen - nein zum weinen! defizit bei selbstkritik und was schreibt er: man muß welche, die diese und diese klamotten tragen, verteiben! woher nimmt sich dieser bruder bloß das recht, mit gewalt seine meinung und auffassung durch zu setzen und dann das als selbstkritik zu verkaufen?? der angriff kam von zehn auf vier!

    diese linke selbstgerechtigkeit, die ihr handeln überhaupt nicht mehr kritisch hinterfragt, ist zum koitzen und treibt die leute den rechtsextremen in die arme.

    aber erzähl das mal einem blinden fanatiker....

  • B
    burkahart

    Sollte dieser Kommentar jetzt etwa der Versuch einer linken Selbstkritik sein wie es die Überschrift andeutet?

    Ein wirklich eindrucksvoller Beleg dafür, dass "links sein" und zugleich "selbstkritisch" wohl zwei absolut unüberbrückbare Gegensätze sind!

     

    Von mir gibts 0,998 Punkte auf der bei 1,0 endenden Erich-Honecker-Selbstkritikskala...

  • V
    vic

    "Zum Glück leben wir in einem Staat, in dem die körperliche Unversehrtheit aller - egal welche politischen Richtung - ein hohes Gut ist."

    Ach.

    Außer, Minister selbst vertoßen gegen dieses hohe Gut.

    Und Herr Asmuth, wenn niemand etwas gegen die braune Brut unternimmt, wer soll´s dann machen wenn nicht wir anderen?

  • MC
    Matteo Cambiassi

    So einen Unsinn habe ich ja lange nicht gelesen. Wo ist die körperliche Unvertheit ein hohes Gut?? In Deutschland? Das ich nicht lache. Weder die Polizei noch irgendwelche Institutionen unternehmen ernsthaft etwas gegen Nazis. Erst letzten Samstag konnte ich erleben wie am Bahnhof Lichtenberg eine Gruppe Nazis mit T-Shirts wie "Ruhm und Ehre der Wehrmacht" und anderen, durch den Bahnhof liefen und den Hitlergruß zeigten, dabei liefen sie auch an der Polzei vorbei. Die unternahm nichts.

     

    Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Die Polizei ist selbst "rechtsoffen", wie es so schön heißt und von ihr ist nichts zu erwarten.

     

    Gewalt ist nicht die einzige Antwort auf Nazis, aber ebenfalls notwendig. Wer davor die Augen verschließt, gehört sicher keiner "Betroffenengruppe" an.

     

    Anfang der 90er Jahre als die Nazis versucht haben die Straßen und U-Bahnhöfe der Berliner Innenstadt zu "erobern" wurden sie regelrecht weggeprügelt. das hat der Berliner Innenstadt Luft verschafft. Genau das ist auch heute wieder notwendig.

     

    KRS One sagte mal: "Yes, stop the violence. And you know how we are going to stop the violence? If they come with a 38 we come with a 45".

     

    Dem ist nichts hinzuzufügen.