Kommentar: Die Behörde bleibt sich treu
Das Berliner Ausländeramt tut sich mal wieder mit strenger Gesetzesauslegung hervor.
Das haben sich Flüchtlingsinitiativen nicht träumen lassen: Der rot-rote Senat stellt sich als Hardliner in Sachen Bleiberecht heraus. Ausgerechnet Asylsuchende schließt man als Anwärter auf das Bleiberecht aus. Und dies in einer Stadt, in der sich die Gerichtsverfahren bei Asylbegehren jahrelang hinziehen. Bei all jenen geduldeten und fast ewig in Berlin lebenden Flüchtlingen aber, die einen Antrag stellen können, schraubt man die Hürden hoch. Verlangt wird, dass sie höhere Einkommen als die Hartz-IV-Sätze nachweisen, um anerkannt zu werden.
Es ist nicht notwendig, hier das Drama neu ausmalen, das ein jahrelanges Leben im Asylbewerberheim mit abgesenkter Sozialhilfe, ohne arbeiten oder studieren zu dürfen, bedeutet. Aber sauer werden darf man schon. Man muss es sogar.
Denn am Ende eines langen, gesellschaftlichen Bemühens um ein Bleiberecht für diese Menschen, die in der Warteschleife hängen geblieben sind, wird die Minimallösung, die das neue Bleiberechtsgesetz vorsieht, von der Ausländerbehörde wieder mehrfach torpediert. Die einen dürfen gar keinen Antrag stellen; die anderen sollen im jobarmen Berlin eine Arbeit finden, die sie besser als Hartz IV finanziert - nachdem man ihnen jahrelang verboten hat zu arbeiten. Das alles offenbart die ideologische Doppelzüngigkeit der Ausländerbehörde.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert