Kommentar zu Versicherungsprämien: Ende der Benachteiligung
Statistische Berechnungen reichen nicht aus, um unterschiedliche Versicherungsprämien von Männern und Frauen zu rechtfertigen. Ein wegweisendes EU-Urteil.
N ur weil man es gewohnt ist, muss es nicht richtig sein. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat unterschiedliche Versicherungsprämien für Männer und Frauen jetzt zu Recht als unzulässige Diskriminierung gerügt. Es ist ein wegweisendes Urteil.
Zum ersten Mal haben die EU-Richter damit entschieden, dass statistische Berechnungen nicht ausreichen, um eine unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen zu rechtfertigen. Es mag ja sein, dass Frauen häufiger zum Arzt gehen und mehr Pillen schlucken. Doch warum soll auch eine Frau, die Arztpraxen und Apotheken meidet, höhere Beiträge zahlen?
Die Bildung von Risikogruppen nach dem Geschlecht ist bei den Versicherungsunternehmen nur deshalb so beliebt, weil die Geschlechtszugehörigkeit leicht feststellbar ist - leichter jedenfalls als Freizeitgewohnheiten und Drogenkonsum. Doch Bequemlichkeit kann keine Diskriminierung rechtfertigen.
Für eine Unterscheidung nach der Staatsangehörigkeit ist dies erstaunlicherweise schon längst anerkannt. Die sogenannten Ausländertarife bei der Kfz-Versicherung sind schon seit 1994 verboten, obwohl es statistisch belegbar war, dass nichtdeutsche Staatsangehörige höhere Schäden bei Unfällen verursachten. Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, dass den Frauen diese Diskriminierung so viel länger zugemutet werden konnte?
Die Versicherer malen nun wieder steigende Versicherungsprämien für alle an die Wand. Das unterstellt, dass nun alle Männer aus der privaten Krankenversicherung aussteigen, weil ihre Beiträge steigen - so dass sie für Frauen auch nicht gesenkt werden können. Ein realistische Annahme ist das nicht.
In einigen Jahren wird sich zeigen, dass Unisex-Tarife völlig normal und allseits akzeptiert sind. An gerechte Verhältnisse wird man sich schnell gewöhnen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 60 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert