Kommentar über den Schulstreit in Hamburg: Grüne brauchen alte Freunde
Es geht darum, den Kindern mehr Zeit für ihre Entwicklung zu lassen, bevor es ans Sortieren geht. Da waren zwei Jahre schon wenig. Ein Jahr lässt die Frage aufkommen, ob dafür der große Umstrukturierungsaufwand lohnt.
E s war wie ein Wunder, als vor anderthalb Jahren die Hamburger Grünen mit der CDU über eine Koalition verhandelten und Ole von Beust in der Schulpolitik einen Kompromiss anbot. Eine sechsjährige Grundschule in Hamburg, das war ausschlaggebend für die kleinere Partei das Wagnis dieser ungewöhnlichen Koalition einzugehen.
Und nun scheint der Erfolg aus den Händen zu rinnen. Das Wort des Bürgermeisters haben die Grünen immer noch. Doch die Wähler hat er nicht mitgenommen. Auch wenn Ex-Schulsenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU) nicht die Parteilinie vorgibt, so ist der von ihr skizzierte Kompromiss eine Vorlage für die künftige Debatte. Nur fünf statt sechs Jahre gemeinsames Lernen, damit die Grünen bei der Stange bleiben. Braucht man doch Schwarz-Grün als Machtoption im Bund.
Pädagogisch gesehen geht es darum, den Kindern mehr Zeit für ihre Entwicklung zu lassen, bevor es ans Sortieren geht. Da waren zwei Jahre schon wenig. Ein Jahr lässt die Frage aufkommen, ob dafür der große Umstrukturierungsaufwand lohnt.
Von Beusts 6-Jahres-Angebot hat in Hamburg die Bewegung gespalten. Es gab ein Volksbegehren "Schule für alle", das die Grünen daraufhin nicht mehr unterstützten - und das im vorigen Herbst scheiterte. Wollen sie jetzt ein Volksbegehren gewinnen, brauchen sie ihre alten Freunde zurück.
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