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Kommentar über den Landärztemangel Imagewandel ist nötig

Ilka Kreutzträger

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Ilka Kreutzträger

Allgemeinmediziner werden sowohl von den Patienten als auch von den Medizinstudenten oft nur noch als Überweiser zum Facharzt wahrgenommen. Daran muss sich etwas ändern.

E s ist ein wenig merkwürdig, wie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Werbetrommel für das Landleben gerührt wird. Als hätten sie zu häufig den abgesetzten „Landarzt“ im ZDF angeschaut. Da gibt es Broschüren mit glücklich lächelnden Familien auf der Wiese und fröhlich dreinschauenden Ärzten auf dem Weg zum nächsten Hausbesuch. Die Botschaft: Wer will schon in der bösen Stadt wohnen, wo niemand seinen Nachbarn kennt, man nur auf Betonwegen herumjoggen muss und die Kinder niemals draußen spielen können? Aber das Problem der medizinisch unterversorgten Gegenden löst sich nicht durch Fantasien vom schönen Leben im Reetdachhaus.

Denn es ist ja nicht so, als würde es auf dem Land überhaupt keine Ärzte geben. Fachärzte lassen sich sehr wohl nieder, da und dort fehlen zwar auch welche, aber bei keiner anderen Arztgruppe ist der Mangel so gravierend wie bei den Hausärzten. Auch der Ansatz, die Residenzpflicht aufzuheben, sodass Hausärzte in der Stadt wohnen und auf dem Land eine Praxis führen können, hat keine große Erleichterung gebracht – ebenso wenig wie die finanziellen Anreize für Praxisgründungen.

Es muss sich vor allem etwas daran ändern, dass Allgemeinmediziner sowohl von den Patienten als auch von den Medizinstudenten oft nur noch als Überweiser zum Facharzt wahrgenommen werden. Da kann der neue Studiengang in Oldenburg schon ein richtiger Schritt sein.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ilka Kreutzträger

Ilka Kreutzträger Redaktionsleiterin Nord

Jahrgang 1977, die Soziologin arbeitete lange für die taz nord als Autorin und CvD sowie für den NDR in Hamburg als Nachrichtenredakteurin Online und Radio, ging dann kurz zum stern und war stellvertretende Ressortleiterin Lokales bei der Hamburger Morgenpost. Sie gibt an der Uni Bremen seit 2013 Schreib-Workshops. Seit 2023 ist sie Redaktionsleiterin der taz nord.
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