Kommentar: über Niedersachsens CDU und die Kirchen: Auf der Suche nach dem C
Ihre kirchliche Anhängerschaft unmgarnt Niedersachsens CDU mit ein bisschen Menschlichkeit. Mehr als ein willkomener Nebeneffkt dürfte sein, dass sie damit der FDP Gelegenheit zur Profilierung gibt.
B auern, Kirche und die CDU – das war in Niedersachsen über Jahrzehnte ein spirituell-agrar-industrieller Komplex, der das Land fest im Griff hatte. Nun sind Teile der Kirche auf Distanz gegangen.
Das liegt zum einen an der unmenschlichen Flüchtlingspolitik, mit der Innenminister Uwe Schünemann Kirchenvertreter brüskiert. Aber man muss auch kein Öko-Pastor sein, um in der von der CDU geförderten Agrarindustrie eine Form von Gewalt gegen die Schöpfung zu sehen, die die Lebensgrundlagen aller bedroht.
Verständlich also, dass sich die CDU Sorgen um ihre Kernklientel macht und sie gezielt umwirbt. Dass sie der Rückkehr der vor acht Jahren aus Niedersachsen abgeschobenen Gazale Salame zu Mann und Kindern zustimmen will, passt ins Bild: Auch derlei könnte konservative Christen gnädig stimmen. Wobei die CDU damit gleichzeitig der FDP Gelegenheit zur Profilierung bietet: Auch in der gibt es ja Kritik an Schünemanns rigider Ausländerpolitik.
Das ist vielleicht sogar dringender als die Mobilisierung der eigenen Klientel: So viele zweifelnde Christen, dass sie ihr zur absoluten Mehrheit verhelfen könnten, wird es auch in Niedersachsen nicht geben. Vielleicht muss CDU-Spitzenkandidat David McAllister am Ende sogar eine Leihstimmenkampagne fahren, um die FDP in den Landtag zu hieven, will er die Macht nicht verlieren. Aber dafür ist ja noch genug Zeit bis zum 20. Januar.
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Leak zu Zwei-Klassen-Struktur beim BSW
Sahras Knechte
Forscher über Einwanderungspolitik
„Migration gilt als Verliererthema“
Abschied von der Realität
Im politischen Schnellkochtopf
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine
„Wir sind nur kleine Leute“
Klimaneutral bis 2045?
Grünes Wachstum ist wie Abnehmenwollen durch mehr Essen
Extremismus bei Alemannia Aachen
Der rechte Flügel