Kommentar moderne Sklaverei: Zu viele Schlupfwinkel für Kriminelle
Das Problem des Menschenhandels in der Bau- und Gastronomie-Branche ist bekannt. Es wird aber von der Politik geflissentlich ignoriert.
I m Behördensprech heißen sie „mobile Beschäftigte“. Nennen wir sie, was sie sind: Sklaven. Sie bedienen uns im Restaurant, sie pflücken unsere Erdbeeren und sie schuften auf den Baustellen. Gelockt mit dem Versprechen, gutes Geld zu verdienen, werden sie massenweise aus Osteuropa in Kleinbussen herangekarrt, um hier unter menschenunwürdigen Umständen zu leben und sich ausbeuten zu lassen.
Das Problem des Menschenhandels in der Baubranche ist bekannt, wird aber von der Politik geflissentlich ignoriert. Befeuert wird es durch die Ausschreibungspraxis, bei der meist das günstigste Angebot den Zuschlag erhält. Subunternehmen werden beauftragt, die wieder Subunternehmer beschäftigen – ein unüberschaubares Netz, mit zu vielen Schlupfwinkeln für kriminelle Machenschaften.
Das Bundeskriminalamt hat im Jahr 2017 elf Ermittlungsverfahren im Bereich der Arbeitsausbeutung abgeschlossen. 180 Opfer meist aus Osteuropa wurden ermittelt, die meisten davon in der Baubranche, aber auch in der Gastronomie, der Fleischverarbeitung oder Hausarbeit. Die Zahl der modernen Sklaven in Deutschland wird auf rund 167.000 geschätzt. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Dass so wenige Verfahren zustande kommen, liegt auch daran, dass die Betroffenen kaum Deutsch sprechen und von ihren „Vermittlern“ bedroht werden. Die „mobilen Beschäftigten“ sind erpressbar, auch weil meist mehrköpfige Familien auf das Geld aus Deutschland warten.
Neben den Beratungsstellen für die Arbeiter, wie in Niedersachsen oder Bremen, müsste es unabhängige Berichtstellen geben, die Ausbeutungsfälle erfassen, um die Dimensionen offenzulegen. Und das Geflecht aus Werkverträgen und Subunternehmen müsste entdröselt werden. Eine Lösung für das Problem wird es aber kaum geben, solange viele davon profitieren.
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