Kommentar Umfrage bei der Feuerwehr: Vertane Chance
Die Befragung sollte nur klären, ob rechte Haltungen in den Feuerwehren eine Rolle spielen. Die Intervention des Innenministers lädt nun zu Spekulationen ein.
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D ie Umfrage zur politischen Einstellung der Mitarbeiter*innen der Feuerwehr in Schleswig-Holstein erfährt nicht als erste ihrer Art Kritik. Zwar kommen starke Statements gegen die NPD derzeit gut an und Blockaden gegen rechte Aufmärsche werden geduldet, bei der ideologischen Auseinandersetzung mit der AfD beispielsweise wird jedoch schnell auf die Meinungsvielfalt verwiesen und wissenschaftliche Studien zu rechten Ressentiments werden angezweifelt. So auch in diesem Fall. Neu ist aber, das eine Umfrage zu rechten Ressentiments gleich als Gesinnungstest gewertet und abgebrochen wird.
Rechte bis weit rechte Einstellungen bei der Feuerwehr? Hört man Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) zu, der die Umfrage vehement ablehnte, kann man den Eindruck gewinnen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dabei sollte die Befragung der Feuerwehrleute zunächst nur klären, ob Ressentiments gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Feuerwehren virulent sind und ob hier überhaupt Handlungsbedarf besteht.
Die Intervention des Innenministers, die Landesbrandmeister Frank Homrich dazu bewegte, die Befragung zu stoppen, lädt nun aber ein, zu spekulieren, was denn da wohl befürchtet wird. Die Fragen seien eine „Zumutung“ ließ Grote wissen, eine „Zumutung“ die Schüler*innen allerdings auch gerade erst „zugemutet“ wurde.
Nun ist es aber so, dass verschiedene Studien zu politischen Einstellungen belegen, das nicht junge Leute, sondern ältere Herrschaften ihre Ressentiments hegen und pflegen, verbreiten und verteidigen. Ab Mitte 30 Jahre werden insbesondere die Männer komisch und die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nimmt deutlich zu. Ein empirischer Wert, der zum genauen Hinschauen einlädt – auch bei den Wehren, spiegeln diese doch gerade nicht den gesellschaftlichen Durchschnitt wider: Weiße Männer dominieren.
Die pauschale Annahme, wegen der Merkmale „weiß und männlich“ ist ohnehin absehbar, was bei den Wehren so los ist, sollte die empirische Untersuchung letztlich ja gerade überprüfen. Eine vertane Chance. Aus der gesellschaftlichen Mitte heraus wird eine Selbstreflektion der Mitte der Gesellschaft unterbunden. Wer über die Mitte nicht reden will, sollte zur Rechten dann aber bitte auch schweigen.
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