Kommentar Überführter Guttenberg: Was für ein Ehrenmann
Kaum wird Guttenberg vorsätzlicher Betrug nachgewiesen, schiebt er die Schuld auf andere. Die Familie habe zu viel Erwartungsdruck aufgebaut. Ein Ehrenmann reagiert so nicht.
K arl-Theodor zu Guttenberg ist von allen politischen Ämtern zurückgetreten und hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Warum also noch ein Wort darüber verlieren, dass die Universität Bayreuth in ihrem Abschlussbericht jetzt zu dem wenig überraschenden Ergebnis kommt, er habe die Prüfungskommission bei Abfassung seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht?
Weil es nun eben amtlich ist. Vor allem aber deshalb, weil er noch immer - wenn auch außer Diensten - einer der beliebtesten Politiker der Republik ist, und weil der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer erst kürzlich treuherzig verkündete, er rechne mit einer Rückkehr von Guttenberg in die Politik.
Hoffentlich irrt er sich. Nichts gegen die Resozialisierung von Betrügern, aber ein gewisses Unrechtsbewusstsein ist dafür Voraussetzung. Guttenberg hat eine mündliche Befragung der Untersuchungskommission zu den Plagiatsvorwürfen abgelehnt.
In einer schriftlichen Stellungnahme rechtfertigte er sich erneut mit den Hinweis auf vielfältige Belastungen. Außerdem machte er die Erwartungshaltung seiner Familie mitverantwortlich. Diese sei davon ausgegangen, dass er Anforderungen erfolgreich bewältige. Was für ein Ehrenmann. Noch wenn ihm Betrug nachgewiesen wird, schiebt er die Schuld auf andere.
Das tut er ohnehin gern. Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr, und Staatssekretär Peter Wichert wurden Ende 2009 von ihren Aufgaben entbunden, weil sie angeblich Informationen im Zusammenhang mit einem Luftangriff bei Kundus zurückgehalten hatten. Sie haben die Vorwürfe bestritten. Ob die beiden ehrlich sind, weiß man nicht. Aber man weiß inzwischen, dass Guttenberg lügt, wenn er meint, dass ihm das nützt. Vielleicht wäre es an der Zeit für eine Ehrenrettung der Sündenböcke.
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