Kommentar Salafisten und Islamhasser : Der Kampf der Unkulturen
Salafisten und Islamhasser haben ein Interesse an der Eskalation des Konflikts. Nur so bekommen sie eine Aufmerksamkeit, die über ihre Bedeutung herausragt.
E s ist eine Spirale des Hasses, die sich da in Deutschland hochschraubt. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat es nun schon geknallt, erst in Solingen, jetzt in Bonn.
Auf der einen Seite stehen Islamhasser, die eine ganze Weltreligion als faschistoide Ideologie diffamieren und in der Hoffnung auf ein paar Promillepünktchen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen provokativ in der Nähe von Moscheen ihre Hetzkarikaturen zeigen.
Auf der anderen Seite stehen Hassislamisten von der Sekte der Salafisten, die den Kampf der Unkulturen gerne aufnehmen. Polizisten, die sich schützend vor die extrem Rechten stellen, greifen sie mit Stöcken, Steinen und Messern an. Und wenn sie nach ihren Attacken festgenommen werden, spielen sie Opfer und stellen sich als „neue Juden“ dar.
Beide Seiten gießen Öl ins Feuer, denn beide Parteien haben ein Interesse am Eskalieren des Konfliktes. Nur so bekommt ihre jeweilige Splittergruppe eine Aufmerksamkeit, die weit über ihre eigentliche Bedeutung herausragt.
Es ist ein gefährliches Spiel, das gewaltig aus dem Ruder laufen könnte. In al-Qaida-nahen Internetforen hat ein Dschihad-Apologet bereits Bilder der Demonstrationen in Nordrhein-Westfalen gepostet und dazu aufgerufen, dass „der Feind“ getötet werden solle. Was kommt als Nächstes? Brennende Botschaften? Tote?
Man soll nichts beschwören. Doch das Potenzial, das in diesem Konflikt liegt, ist beunruhigend. Zu lange haben die Öffentlichkeit, die Politik und die Sicherheitsbehörden ignoriert, wie sich die Menschenfeindlichkeit in den beiden wachsenden Szenen der Salafisten und der Islamhasser steigert und sich gegenseitig verstärkt. Diese Eskalation muss gestoppt werden. Auf beiden Seiten.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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