Kommentar Radfahrer: Aufstand im Dunkeln
Der Radfahrer rebelliert auf seine Art und Weise: Er kündigt der Straßenverkehrsunordnung die Gefolgschaft auf.
J eder zweite Radfahrer fährt ohne Licht, hat der ADAC ermittelt und ist tief empört. Auch rote Ampeln haben für viele Radler oft nur empfehlenden Charakter. Die Zahl der Unfälle von Fahrradfahrern zeigt, wie lebensgefährlich das ist.
Leider hat der Münchner Benzinesen-Club nicht gefragt, was der Grund für so viel Renitenz sein könnte. Sie hat ihre Ursache in einem Verkehrssystem, das Radfahrer seit Jahrzehnten ins Abseits stellt und sie täglich mit immer schnelleren, schwereren und monströseren Fahrzeugen konfrontiert. Die Rammstangen der Four-Wheel-Driver und die irren Abmessungen der 40-Tonnen-Monstertrucks, die jetzt - siehe Koalitionsvertrag - noch größer werden sollen, die tägliche Aggression im Todeskampf um Parklücke und Poleposition - dies alles bedroht den Radfahrer nicht nur unbewusst, sondern sehr direkt.
Fakt ist, dass sich die Knautschzone des Radlers auf die Länge seiner Nase beschränkt. Auf durchlöcherte Radwege und Minispuren abgedrängt, verkehrspolitisch marginalisiert und im Verkehrsalltag immer mit einem Bein im Krankenhaus, rebelliert der Radfahrer auf seine Art und Weise: Er kündigt der Straßenverkehrsunordnung die Gefolgschaft auf.
Wir leben in einer Republik, die als Autoland gilt, das zuweilen von Autokanzlern regiert wird und das in seiner Autofixierung mit der Abwrackprämie gerade komplett den Verstand verloren hat. Aber von den Radlern erwarten wir jederzeit Vernunft und Gesetzestreue. Und wenn sie schon unter die Räder der Vorstadtpanzer kommen, dann bitte mit Reflexionsstreifen und surrender Lichtmaschine.
Diese Gesellschaft muss das gesündeste, erschwinglichste, eleganteste, leiseste und einzig emissionsfreie Verkehrsmittel endlich ernst nehmen. Merke: Radfahrer sind sexy, gesund und sehen gut aus. Nur manchmal sind sie mausetot.
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