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Kommentar Protest in Israel Chance auf Frieden von unten

Kommentar von

Andreas Hackl

"Zuerst die Wirtschaft, dann der Frieden" ist ein Slogan bei den Protesten in Israel. Die Bewegung hat die Chance, brisante Themen auf die Agenda zu bringen.

S eit vor einem Monat auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv die ersten Zelte aufgestellt wurden, ist Israels neue Protestbewegung stark angewachsen. Sie wurde so stark, weil sie sich auf den Ruf nach mehr "sozialer Gerechtigkeit" konzentrierte. Doch langsam werden die Forderungen politischer. So gingen etwa am Samstag Zehntausende im ganzen Land für die Gleichberechtigung von arabischen und jüdischen Israelis auf die Straße. Dieser Trend birgt Gefahren, aber auch Chancen.

Zu den Gefahren gehört, dass die Bewegung auseinanderfällt. Schon jetzt fordern viele, die Protestbewegung müsse sich auf einzelne Ziele fokussieren und zeigen, dass sie diese auch erreichen kann. Vorschläge wie die einer Kürzung des Verteidigungsbudgets zugunsten sozialer Wohlfahrt dagegen sind geeignet, einen Keil zwischen die bisher geeinten Lager zu treiben. Die Bewegung braucht aber das Wohlwollen der Bevölkerungsmehrheit. Fällt dieses weg, werden bald auch die Zeltstädte geräumt.

Andererseits fragen sich viele: Wann, wenn nicht jetzt, besteht sonst die Chance auf politischen Wandel? "Zuerst die Wirtschaft, dann der Frieden", diese Losung haben sich deshalb große Teile der Protestbewegung auf die Fahne geschrieben.

Der Autor

ANDREAS HACKL ist freier Autor der taz in Israel.

Auch wenn Israel nicht Ägypten ist: Der Aufstand der Mittelschicht hat eine völlig neue nationale Einheit geschaffen. Endlich könne man wieder träumen, heißt es. Wenn die Bewegung jetzt vorsichtig damit beginnt, auch brisante Themen wie die jüdischen Siedlungen und die Gründung eines Palästinenserstaats anzusprechen, könnte das jene bisher schweigende Mehrheit aller Israelis mobilisieren, die bereit sind, für die überfällige Zweistaatenlösung auch ein Opfer zu bringen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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2 Kommentare

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  • ER
    Emma Reik

    Danke Stefan! Der Artikel ist durchweg empörend!

  • S
    Stefan

    Was für ein Unsinn - mit Verlaub!

    Die "schweigende Mehrheit" für eine Zwei-Staaten-Lösung. Die Mehrheit ist ganz offen für eine Zwei-Staaten-Lösung, jedoch möchten sie gerne die Sicherheit gewährleistet sehen, was aber den palästinensischen Dialogpartnern ganz geschmeidig am Allerwertesten vorbei geht. Die Realität ist, dass sich die Linke in Israel mehr oder weniger zerlegt hat, weil sie jahrelang den Palästinensern jede Forderung erfüllen wollten, diese aber lieber mit Terror geantwortet haben. Davon hatten die Wähler irgendwann die Schnauze voll. Die Regierung von Bibi ist das Resultat der Unnachgiebigkeit der Pallis.

    Aber egal wer nun gerade Israel regiert - für die passenden Kreise ist die israelische Regierung IMMMER der Sündenbock.