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Kommentar Neuland-Fleisch Der Skandal nach dem Skandal

Kommentar von

Jost Maurin

Neuland versichert, Tiere artgerecht zu halten. Ob Konsumenten das glauben, ist eine Frage des Vertrauens – und das ist noch nicht wieder da.

D ass unter dem hochgelobten „Neuland“-Siegel für artgerechtere Tierhaltung Fleisch ohne Zertifizierung des Vereins verkauft wurde, war ein Skandal. Dass der Verein jetzt aber entschieden hat, mit den beteiligten Firmen trotz aller Verfehlungen auch weiterhin zusammenzuarbeiten – das ist der Skandal nach dem Skandal.

Unstrittig ist: Die Verbraucher wurden getäuscht. Sie haben den Preisaufschlag für Neuland-Geflügel- und Lammfleisch bezahlt, aber billigeres konventionelles Fleisch bekommen. Manche „Neuländer“ versuchen, diese Vorgänge mit der Aussage zu relativieren, dass die Ware zumindest teilweise nicht aus „Massentierhaltung“, sondern von kleineren Höfen gekommen sei.

Das kann man glauben – oder auch nicht. Die Kunden können im Laden jedenfalls nicht überprüfen, ob alle Regeln eingehalten wurden. Genau das soll das Neuland-Siegel aber garantieren.

Schlimm genug, dass all das wegen eklatanter Mängel im Kontrollsystem des Vereins passieren konnte. Noch schädlicher für den Ruf der Marke ist: Der Verein trennt sich nicht von jenen, die den Skandal verursacht oder ermöglicht haben. Wenn ein leitender Mitarbeiter öffentlich zugibt, dass er Hühner- und Lammfleisch ohne Genehmigung verkauft hat, und trotzdem im Amt bleibt, signalisiert das: Wer gegen Regeln verstößt, hat bei Neuland nicht viel zu befürchten.

Das aber könnte das Vertrauen der Konsumenten in das Neuland-Siegel erschüttern. Den Konsumenten dürfte egal sein, dass angeblich juristische Gründe verhindern, die Verantwortlichen zu schassen. Fraglich ist, ob die Verbraucher langfristig wirklich weiter das Schweine- und Rindfleisch von Neuland kaufen werden, das ja bislang nicht von dem Skandal betroffen ist. Besser, Neuland räumt jetzt auf – und zwar konsequent.

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Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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2 Kommentare

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  • Lesebrille

    Das könnte nicht nur das Vertrauen erschüttern, es tut es selbstveständlich! Am schlimmsten finde ich, dass immer noch Bioläden die Produkte verkaufen. Damit wird Vertrauen systematisch abgebaut, wir als KundInnen können nicht mehr guten Gewissens dort einkaufen. Langfristig werden also nicht nur wir, sondern auch die Läden damit geschädigt.

    • Jost Maurin , Autor des Artikels, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

      @Lesebrille:

      Neuland ist aber kein Bio-Produkt, sondern ein Kompromiss zwischen konventionell und Bio.