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Kommentar Nazi-Aufmarsch Lübeck ist nicht Dresden

Andreas Speit

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Andreas Speit

Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen und Parteien demonstrierte an der Trave gemeinsam gegen den "Trauermarsch der Rechten".

K ehrt marsch", hieß es am vergangenen Samstag für die angereisten Neonazis in Lübeck. In der Hansestadt scheiterte der Trauermarsch der NPD an den Blockaden eines breiten Bündnisses. Hier an der Trave protestierten Gewerkschaften, Parteien und Antifaschisten gemeinsam gegen den Zug der Rechten. Lübeck ist eben nicht Dresden.

Im Februar 2010 hatten zwar Blockaden an der Elbe einen Trauermarsch von Nazis gestoppt. Doch wurden die Gegendemonstranten zuvor von der Stadt als "Störer" ausgemacht. Der so genannte Bürgerprotest, fand auf der anderen Seite der Elbe statt - eine Menschenkette, weit weg vom geplanten Marsch.

In Lübeck hingegen begrüßte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) alle Demonstranten. Das Gemeinsame der so unterschiedlichen Bündnispartner, den Nazis nicht die Straße und das Gedenken zu überlassen, wurde über das Trennende gestellt. Mit Erfolg seit Jahren: Die Innenstadt blieb den Rechten schon früh verwehrt, später der Zug zum Holstentor und nun der große Marsch.

Lübeck ist eben nicht Dresden, auch weil in Politik und Medien nicht - bei aller Trauer - ausgeblendet wird, dass Deutschland im Zweiten Weltkrieg den Angriff aus der Luft auf zivile Ziele eröffnet hatte. Jenes Klima ermutigt Polizeieinsatzleitungen denn auch "Kehrt marsch" und nicht "Blockade räumen" anzuweisen.

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Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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