Kommentar Moscheen-Schließung in China : Zeichen des Scheiterns
Chinas Regierung nimmt den Uiguren mit der Moscheen-Schließung nicht nur die Möglichkeit, ihre eigenen Opfer der Gewalt kollektiv zu betrauen, sie wertet damit auch Glauben und Identität der Minderheit ab.
Pekings Versuch, nach den schweren Unruhen das Freitagsgebet in den Moscheen von Ürümqi aus Sicherheitsgründen zu verbieten, spricht Bände: Über die Angst vor den Uiguren und über die Versäumnisse der bisherigen chinesischen Politik. Die Anordnung, die sich nicht überall in der Stadt durchsetzen ließ, stellt alle Uiguren unter Generalverdacht. Sie besagt, dass es aus der Sicht der regierenden kommunistischen Partei weniger schlimm ist, das Volk der Uiguren durch das Verbot noch weiter zu entfremden, als das Risiko einzugehen, dass sich größere Gruppen in den Moscheen versammeln. Chinas Regierung nimmt den Uiguren damit nicht nur die Möglichkeit, ihre eigenen Opfer der Gewalt kollektiv zu betrauen, sie wertet damit auch Glauben und Identität der Minderheit ab.
Zugleich signalisiert die Regierung in Peking, dass sie ihrer strengen Kontrolle der Moscheen und Imame selbst nicht traut. Sie geht davon aus, dass Letztere weniger eine Kraft der Mäßigung und Vernunft sind, dass sie vielmehr Öl ins Feuer gießen könnten. Gewiss: Die Erfahrungen des Islamismus zeigen, dass der Islam wie andere Religionen auch ein Instrument für Extremisten sein und missbraucht werden kann. Auch haben einige Uiguren am vergangenen Sonntag unbeteiligte Han-Chinesen gejagt und brutal ermordet, was durch nichts zu rechtfertigen ist. Auch dann nicht, wenn die Sicherheitskräfte vorher geschossen haben sollten.
Der Konflikt zwischen Uiguren und Han-Chinesen ist nur beizulegen, wenn die chinesische Regierung die Muslime und die potenziell positive Kraft ihrer Imame an einem Ausgleich beteiligt. Verbote, die zudem noch als einseitig empfunden werden, helfen nicht weiter. Das Verbot des Freitagsgebets ist nicht nur ein Zeichen des Misstrauens in Peking, sondern auch ein Zeichen des Scheiterns der chinesischen Politik in Xinjiang.
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