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Kommentar Krawalle im Schanzenviertel Falsches Feindbild sorgt für Fehler

Kommentar von

Kai von Appen

Derartige Krawalle sind nur zu verhindern, wenn der Ballermann-Boulevard auf ein vertretbares Maß zurückgebaut wird oder am 1. Mail geschlossen bleibt.

E s war eine krasse Fehlprognose. Da sagt der Staatsschutz der Polizei voraus, Maikrawalle wie im vorigen Jahr werde es diesmal nicht geben. Und der Inlandsgeheimdienst und Hüter der Verfassung ergänzt diese Fehleinschätzungen. Und dann knallts gleich in zwei Nächten um den 1. Mai - für die Schanze ein Novum.

So eine Fehlprognose kommt zustande, weil bei den Staats- und Verfassungsschützern das Feindbild festsitzt, die autonome Szene würde die Mai-Krawalle initiieren. Und wenn man dann keine Diskussionen wahrnimmt oder Aufrufe findet, gibts Entwarnung - denn zu dieser erlebnisorientierten und soziokulturellen Klientel haben die politischen Schnüffler keinen Zugang.

Das ist kein Plädoyer dafür, jetzt subkulturelle Jugendcliquen mit Migrations-Hintergrund ins Visier zu nehmen. Das ist Sache der Sozialarbeit. Doch die Kommunalpolitik, die die Schanze zum zweiten Kiez gemacht, muss sich diesen Fehler eingestehen. Sie hat das Pflaster gelegt, auf dem sich Jugendliche aus allen Stadtteilen vor begeistertem Publikum austoben können, um Frust- und Perspektivlosigkeit durch unreflektierte Gewaltexzesse zu verdrängen.

Derartige Krawalle sind nicht durch mehr Polizei oder Bürgerwehren zu verhindern, sondern dadurch, dass der Ballermann-Boulevard auf ein vertretbares Maß zurückgebaut wird oder am 1. Mai geschlossen bleibt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kai von Appen Hamburg-Redakteur

Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung
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1 Kommentar

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  • F
    FRITZ

    "subkulturelle Jugendcliquen mit Migrations-Hintergrund"?

     

    Ist das satirisch gemeint oder etwa aktuelles Dummdeutsch für "türkische Asso-Gang"?