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Kommentar Kongo-Friedenskonferenz Freibrief für den Krieg

Dominic Johnson

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Dominic Johnson

Die große Friedenskonferenz afrikanischer Staaten für den Ostkongo ist gescheitert. Die M23-Rebellen können nun ungestört weiter militärische Fakten schaffen.

S o war es schließlich doch eine reine Alibiveranstaltung. Die große Friedenskonferenz der Staaten der afrikanischen Großen Seen für die Demokratischen Republik Kongo hat die bestehenden Beschlüsse zur Entsendung einer Friedenstruppe nach Ostkongo nicht konkretisiert. In schönster Bürokratenmanier wurden stattdessen bei dem Staatengipfel in Ugandas Hauptstadt Kampala eine Arbeitsgruppe eingesetzt und ein neuer Gipfel in vier Wochen vereinbart.

Das ist ein Freibrief für den Krieg. Die M23-Rebellen im Ostkongo, die in Erwartung des Gipfels ihren Vormarsch auf die Provinzhauptstadt Goma eingestellt hatten, können nun in der nächsten Zeit ungestört weiter militärische Fakten schaffen. Angesichts des desolaten Zustands der kongolesischen Regierungsarmee dürfte ihnen das nicht schwerfallen, und die Neigung der Menschen, sich einer überlegenen Rebellentruppe entgegenzustellen, dürfte gering sein.

Selbst wenn es jemals eine Einigung über eine Ostkongo-Friedenstruppe geben sollte: Frieden bringt ein solches Eingreifen nicht. Wenn es das täte, hätten die Tausenden UN-Blauhelmsoldaten im Ostkongo das längst erreichen müssen. Die Konflikte dauern an, und zwar nicht, weil Nachbarländer scharf auf kongolesische Mineralien sind.

DOMINIC JOHNSON

ist Ko-Leiter des Auslandsressort der taz und zuständig für die Afrika-Berichterstattung.

Der Grund ist vielmehr, dass es im Kongo keine funktionierenden politischen Strukturen mehr gibt, die der Bevölkerung Sicherheit bieten und die Macht von Warlords brechen. Gerade im Osten monopolisieren diejenigen die Macht, die in der 2.000 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa am besten vernetzt sind – also eine verschwindend kleine Elite. Sie tragen ihre Machtkämpfe skrupellos auf dem Rücken der Bevölkerung aus.

Ohne grundlegende politische Reformen im Kongo insgesamt ist jeder Versuch der Befriedung von außen zum Scheitern verurteilt. Immerhin bleibt den Ländern der Region nun erst mal die Schande erspart, das selbst herausfinden zu müssen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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1 Kommentar

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  • L
    libra12

    Chapeau, Herr Johnson, das ist mal wirklich eine treffende Analyse der traurigen Lage, der nichts hinzuzufügen ist. Außer vielleicht das Befremden darüber, wie beharrlich die Welt hier wegschaut.