Kommentar Honduras: Es wird einsam um Micheletti
Jetzt ist der geschasste Zelaya zurück im Land und kann nicht mehr ignoriert werden.
Lange sah es so aus, als würde das Handbuch für Putschisten aus dem vergangenen Jahrhundert noch immer den Erfolg garantieren. Nachdem die honduranischen Militärs am 28. Juni den nach links abdriftenden Präsidenten Manuel Zelaya im Schlafanzug aus dem Land geworfen hatten, schienen ein bisschen Repression und die Suspendierung von Grundrechten zu genügen, und alles ging den gewünschten Gang. Jetzt ist der Geschasste zurück im Land und kann nicht mehr ignoriert werden. Und seine Anhänger sind bereit, sich für ihren Präsidenten mit den Streitkräften anzulegen.
Die Situation hat sich grundlegend verändert, aber Putschpräsident Roberto Micheletti hält eisern an seinen Rezepten fest: die Grenzen und Flughäfen schließen und eine Ausgangssperre verhängen, auch wenn das letztlich kontraproduktiv ist. Im Ausnahmezustand lassen sich schlecht Geschäfte machen. Porfirio Lobo, der bei der für den 29. November geplanten Theaterwahl als Präsidentschaftskandidat der Nationalen Partei antritt, hat Micheletti bereits öffentlich aufgefordert, seine Halsstarrigkeit aufzugeben. Nur im Dialog könne die Krise überwunden werden. Seine Partei hatte heftig mitgeholfen, Micheletti noch am Tag des Putschs ins geraubte Präsidentenamt zu hieven. Jetzt lernt sie langsam dazu.
Der Wirtschaftselite wird klar, dass es nicht die Europäische Union und die USA sind, die mit ein paar gekappten Millionen Wirtschafts- und Militärhilfe das Land in den Ruin treiben. Der eigene Handlanger ist das Problem. Diese Bruchlinie muss ein weiterer Verhandlungsversuch der Organisation Amerikanischer Staaten nutzen. Mit den Clowns in der Arena hat man lange genug geredet. Jetzt muss man zu den Zirkusdirektoren im Hintergrund gehen. Die wissen schon, wie sie einen Micheletti auch wieder loswerden können.
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