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Kommentar Homophoben-Kongress Ein europäisches Problem

Patricia Hecht

Kommentar von

Patricia Hecht

In Moldawien machen Menschen auf einem Kongress gegen die „Propaganda“ der LGBTI mobil. Das, was dort verhandelt wird, geht uns alle an.

W orld Congress of Families“ – dass dieser Name harmlos klingt, ist Absicht. Dahinter verbirgt sich ein Projekt, das eine homophobe und antiemanzipatorische Agenda auf globaler Ebene durchsetzen will. Im Namen der „natürlichen Ehe und Familie“ machen die AkteurInnen des Kongresses gegen die „Propaganda“ der LGBTI mobil gegen Ehe für alle und Schwangerschaftsabbrüche. Und auch wenn der Kongress in der moldawischen Hauptstadt Chișinău stattfand und damit scheinbar weit weg von der EU, sind die Verbindungen dorthin nicht zu unterschätzen.

RednerInnen des diesjährigen Kongresses kamen unter anderem aus Frankreich, Spanien, Italien und Österreich – ein Adliger mit Einfluss, ein Geschäftsführer mit Geld, ein ehemaliges Mitglied des Europarats und eine ÖVP-Politikerin. Deren Kontakte wiederum tragen ihrerseits dazu bei, dass das Netzwerk wächst: Der spanische Geschäftsführer der Kampagnenorganisation CitizenGo etwa sponsert die deutsche „Demo für alle“, die erst letzte Woche durch Deutschland tourte und ebenfalls gegen die vermeintliche Gender-Ideologie hetzt.

ÖVP-Politikerin Gudrun Kugler wiederum bezog sich in ihrer Rede positiv auf ihr jüngstes Treffen mit dem ungarischen Präsidenten Viktor Orbán – der dem WCF erst vergangenes Jahr ein Forum in Budapest gegeben hat, biopolitische Perspektive inklusive: Als Bollwerk gegen illegale Migration forderte Orbán damals „so viele ungarische Kinder“ wie möglich. Doch auch im übrigen Europa wollen Parteien wie die PiS oder die AfD in Sachen Ehe, Familie und „Gender-Ideologie“ zum Teil exakt dasselbe wie der WCF. Sie alle profitieren voneinander: Die Unterstützung für solche Positionen auch innerhalb der EU wächst.

Die geografische Lage der Republik Moldau führt dazu, dass der WCF unter dem Radar läuft. Dass die Akkreditierung ausländischer JournalistInnen in Chișinău zumindest schwierig war, tat sein Übriges. Dabei geht, was hier verhandelt wurde, uns alle an. Wenn wir nicht wollen, dass Frauenrechte, Errungenschaften für LGBTI und die offene Gesellschaft massiv eingeschränkt werden, muss Europa hinschauen – auch wenn der Kongress an einem Ort stattfindet, der scheinbar weit genug entfernt ist.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Patricia Hecht

Patricia Hecht Redakteurin Inland

war Chefin vom Dienst in der Berlinredaktion, hat die Seite Eins gemacht und arbeitet jetzt als Redakteurin für Geschlechterpolitik im Inland. 2019 erschien von ihr (mit M. Gürgen, S. am Orde, C. Jakob und N. Horaczek) "Angriff auf Europa - die Internationale des Rechtspopulismus" im Ch. Links Verlag. Im März 2022 erschien mit Gesine Agena und Dinah Riese "Selbstbestimmt. Für reproduktive Rechte" im Verlag Klaus Wagenbach.
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1 Kommentar

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  • Age Krüger

    Da müsste man etwas genauer beschreiben, welche Befürchtungen da existieren, worauf die wie Einfluß nehmen könnten, um entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.



    Von dieser "Demo für alle" habe ich überhaupt nix bemerkt.