piwik no script img

Kommentar Geiselnahme in MaliPlötzlich wieder interessant

Kommentar von

Katrin Gänsler

Es braucht eine Geiselnahme in Bamako, damit Mali wieder Aufmerksamkeit bekommt. Die Probleme im Land sind längst nicht gelöst.

A us den Augen, aus dem Sinn. Das trifft auf Mali ziemlich gut zu. In den vergangenen Monaten hat sich kaum jemand ernsthaft um das westafrikanische Land gekümmert, bis es am Freitagmorgen plötzlich wieder auf der Landkarte erschien. Eine Geiselnahme mit mehreren Todesopfern mitten in der Hauptstadt Bamako sorgte dafür.

Das Entsetzen ist wohl auch deshalb so groß, weil die mutmaßlichen Terroristen sich ausgerechnet das Radisson Blu Hotel ausgesucht hatten – eine Luxusunterkunft, in der gerne Mitarbeiter internationaler Organisationen absteigen. Ganz ähnlich war es im März und August dieses Jahres, als mit einer Bar und einem Hotel zwei beliebte Treffpunkte für Ausländer beschossen wurden.

Ansonsten hält sich das Interesse für den Sahel-Staat schon seit der Präsidentschaftswahl im Sommer 2013 in Grenzen. Dabei sind weder die Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Tuareg-Gruppen beendet noch sind die Terrorgruppen in der Region besiegt worden.

Doch andere Übergriffe, etwa bei Mopti oder in der Nähe der Stadt Timbuktu, interessieren nicht mehr. Es sei denn, das Unesco-Weltkulturerbe könnte in Gefahr sein.

Das Leiden geht weiter

Mali ist keine Ausnahme. Länder wie Sierra Leone und Liberia gelten zwar laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wieder als frei von Ebola, obwohl das Leiden der Überlebenden und Hinterbliebenen unverändert weiter geht.

Auch in Nigeria wird gerne der Eindruck erweckt, dass mit einem Sieg über die Terrorgruppe Boko Haram schon irgendwie alles gut wird.

Genau dort liegt das Problem. Nur weil etwas offiziell beendet ist, sei es mit einem Friedensabkommen oder einer Wahl, ist es vor Ort noch längst nicht vorbei. Wer also tatsächlich etwas bewegen möchte, muss sich auf ein langfristiges Engagement einstellen. Das gilt für staatliche Zusammenschlüsse, private Organisationen und letztlich auch für Journalisten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Katrin Gänsler Westafrika-Korrespondentin

Nach dem Abitur im Münsterland bereiste sie zum ersten Mal Südafrika und studierte anschließend in Leipzig, Helsinki und Kopenhagen Journalistik und Afrikanistik. Nach mehreren Jahren im beschaulichen Schleswig-Holstein ging sie 2010 nach Nigeria und Benin. Seitdem berichtet sie aus ganz Westafrika – besonders gerne über gesellschaftliche Entwicklungen und all das, was im weitesten Sinne mit Religion zu tun hat.
Mehr zum Thema

0 Kommentare