Kommentar Freiheitskongress der Grünen : Pflicht und Kür
Die Grünen nehmen sich des Themas Freiheit an. Gut so: Sie sind die einzigen, die an die AfD keine Stimmen verloren haben.
F reiheit ist eine so zentrale Kategorie, dass man sich gar nicht genug mit ihr auseinandersetzen kann. Entsprechend richtig ist der heutige Kongress der Grünen zum Thema. Und entsprechend sei all jenen zugerufen, die nun kübelweise Häme über die Partei ausschütten, dass es doch auch nichts schaden würde, wenn die CDU mal einen Konvent zum Thema „soziale Gerechtigkeit“ machte. Auch das ein Thema mit großer Relevanz.
Es ist auch gut, dass die Grünen sich nicht von der Behauptung haben irritieren lassen, sie wollten nur die Marktlücke füllen, die die FDP hinterlässt. Erstens hat keine Partei ein Copyright auf das Thema „Freiheit“. Und zweitens wissen alle, die das politische Geschehen der vergangenen Jahre auch nur ansatzweise beobachtet haben, dass das Freiheitsverständnis der sogenannten Liberalen vor allem auf einem fußt: der Freiheit der Wohlhabenden, noch reicher zu werden.
Der Kongress findet am 19. September im Bundestag statt. Hier sollen Bürgerrechtler, Autoren, Wissenschaftler und andere darüber diskutieren, vor welchen Herausforderungen die Freiheit steht und welchen Stellenwert sie für die Grünen hat.
Gerade durch das Erstarken der AfD müssen die Grünen sich nun alle Freiheit nehmen, ihre Kernthemen starkzumachen. Natürlich die Ökologie, aber genauso das Recht auf ein menschenwürdiges Leben für alle, Gleichberechtigung und Antirassismus: Diese Themen müssen die Agenda bestimmen, in diesem Sinne muss sich die Gesellschaft weiter modernisieren.
Denn mit der erstarkten AfD ist klar, dass die Grünen die einzige Kraft sind, die entschlossen und ohne taktische Einschränkungen ihren Freiheitsbegriff formulieren und für eine wirklich freie Gesellschaft kämpfen können. Denn es sind allein die Grünen, die so gut wie keine Stimmen an die AfD verloren haben.
Alle, wirklich alle anderen Parteien haben das kräftig getan und müssen ihre Schlüsse daraus ziehen. Darauf dürfen die Grünen durchaus stolz sein. Aber es zwingt sie auch, klare Politik zu machen – von dieser Verpflichtung dürfen die Grünen sich nicht befreien.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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