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Kommentar Frankreichs AtomkraftförderungNukleare Entwicklungshilfe

Rudolf Balmer

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Rudolf Balmer

Die Botschaft aus Paris lautet: Wer nicht auf Atomkraft setzt, hat den Zug in die Zukunft verpasst und wird weltpolitisch marginalisiert.

Der Begriff der nuklearen Entwicklungshilfe wird nun wohl in den Wortschatz der Weltpolitik eingehen. Großmütig, wenn auch nicht ganz uneigennützig wollen die Atommächte, allen voran Gastgeber Frankreich und die Atomenergieagentur der OECD, den nuklearen Habenichtsen helfen, sich diese angeblich kostengünstige und zukunftsträchtige Quelle der Stromversorgung zu erschließen.

Prämisse ihrer internationalen Konferenz ist, dass der Energieverbrauch weltweit weiter steil ansteigen werde. Das wird nicht hinterfragt. Die strahlende Zukunft, die laut Organisatoren der Atomkraft gehört, ist da Synonym für unbegrenztes Wachstum, parallel zum Energiekonsum steigende Bruttoinlandsprodukte. Die Botschaft aus Paris lautet: Wer nicht auf Atomkraft setzt, hat den Zug in die Zukunft verpasst und wird weltpolitisch marginalisiert.

Alternative Szenarien der Entwicklung werden ebenso wenig ernst genommen wie alternative und erneuerbare Energiequellen. Für Sonne, Wind, Gezeiten, Biomasse oder Geothermie bleiben da nur Nischen.

Entscheiden kann und soll die Pariser Konferenz im Rahmen der OECD formell gar nichts. Aber das ist ja offenbar auch gar nicht notwendig, da die Prioritäten von den Teilnehmern ohnehin geteilt werden. Es geht nicht um die Frage Atomkraft ja oder nein. Sondern nur noch darum, wann und wie oder allenfalls wer wo als Lieferant auf dem jetzt erschlossenen Expansionsmarkt zum Zuge kommt.

Nicht hinterfragt wird auch die Behauptung, Atomstrom sei billig und bezüglich Treibhausgasen neutral oder gar "sauber". Denn das wären subversive Fragen. Wären grundsätzliche Zweifel an der Atomkraft erlaubt, müsste man sich ja womöglich eingestehen, dass das wirtschaftliche Entwicklungsmodell des "immer mehr" vor einer Sackgasse steht.

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Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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4 Kommentare

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  • S
    Sponti

    Ja, Deutschland kommen auf der Stromautobahn 60 Geisterfahrer entgegen ...

     

    Die Transferzahlungen, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz neuen Anlagen garantiert, laufen in gut 10 Jahren aus. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Wind- und Solar-Blase eine längere Halbwertzeit hat als die Kernkraft.

  • S
    Sponti

    Ja, Deutschland kommen auf der Stromautobahn 60 Geisterfahrer entgegen ...

  • V
    vantast

    Es geht natürlich nicht um eine Hilfe für notleidene Länder, es geht, wie immer, nur um's Geschäft. Atomkraft ist ein Produkt, das nicht so entwickelte Länder nicht bringen können, in 20 Jahren wird das wohl anders sein. Frankreich würde auch Kühlschränke an die Eskimos verkaufen. Atomkraft ist eine durch und durch schmutzige Technologie, sie verdirbt nicht nur die Umwelt, sie strotzt nachweislich von Korruption und Menschenverachtung. Billigste Wanderarbeiter müssen in Kraftwerken eigentlich verantwortungsvolle Arbeiten machen, Katastrophen durch eine Unkultur des Sparens jederzeit möglich.

  • V
    vic

    Ausgerechnet Frankreich sollte den Mund nicht zu voll nehmen. Möglicherweise lässt sich eines Tages nicht mehr verhindern, dass die Bevölkerung von der "Atommüllentsorgung" in der "Wiederaufbereitungsanlage" La Hague erfährt. Dort wird nicht nur hochradioaktives Material über ein langes unterirdisches Rohr direkt in den Kanal geleitet, auch der wiederaufzubereitende Atommüll wird keineswegs aufbereitet, sondern durch die zahlreichen dafür verwendeten Chemiekalien vermehrt.