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Kommentar FARCNeue Hoffnung für Kolumbien

Gerhard Dilger

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Gerhard Dilger

Die Erklärung der FARC, keine Zivilisten mehr entführen zu wollen, kommt der Regierung entgegen. Ob das genügt, hängt vom Präsidenten Juan Manuel Santos ab.

O b die jüngste Erklärung der kolumbianischen Farc-Guerilla das Prädikat „historisch“ verdient, wird sich erst noch zeigen. Einen neuen Weg schlagen die Rebellen mit ihrer Ankündigung, künftig auf die Entführung von Zivilisten zu verzichten, in jedem Fall ein: Sie möchten offenbar als politische Gesprächspartner ernst genommen werden, und dafür sind konkrete Gesten unverzichtbar. Weitere müssten folgen.

Mit dem rechtsliberalen Präsidenten Juan Manuel Santos haben die Guerilleros zudem ein Gegenüber, mit dem Friedensgespräche wieder vorstellbar sind. Anders als sein Vorgänger Álvaro Uribe, der nichts anderes gelten ließ als eine bedingungslose Kapitulation der Farc, hat Santos auf mehreren Politikfeldern Flexibilität bewiesen.

Vor allem außenpolitisch hat er die von Uribe arg strapazierten Beziehungen zu den linksregierten Nachbarn Ecuador und Venezuela eingerenkt und die aussschließliche Fixierung auf die USA relativiert. Innenpolitisch sind die Signale widersprüchlicher. Für seinen harten Kurs gegen die Aufständischen weiß Santos die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich – auch wegen deren politischer Fantasielosigkeit.

Gerhard dilger

ist Autor der taz.

Kolumbien wirkt mit seinem seit fast 50 Jahren andauernden Guerillakrieg immer mehr als Anachronismus in Südamerika. Durch die Milliardenhilfen aus Washington und die beispiellose Aufrüstung der kolumbianischen Armee wurden die Rebellen in den letzten zehn Jahren zwar empfindlich geschwächt. Doch ihre totale Niederlage liegt in weiter Ferne.

Juan Manuel Santos ist dies ebenso bewusst wie das Scheitern des „Drogenkriegs“, dessen Grenzen zur Aufstandsbekämpfung die Hardliner Bush jr. und Uribe endgültig verwischt hatten. Nun wäre es an der Zeit, die Guerilla beim Wort zu nehmen.

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Gerhard Dilger

Gerhard Dilger

Gerhard Dilger schreibt seit 1996 für die taz. 2008 war er Mitbegründer des latin@rama-Kollektivs, bis 2012 Südamerikakorrespondent der taz in Porto Alegre, anschließend Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo und Buenos Aires. Seit einigen Jahren wieder freier Journalist, u. a. für Le Monde diplomatique, Evangelischer Pressedienst, Freitag, nd, Wochenzeitung und Südwind. Bis Ende Juni unterwegs in Kolumbien.
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4 Kommentare

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  • L
    lawphin

    Ja, Herr Dilger. Sie haben sowas von recht.

    Denn schon Rosa Luxemburg bestätigte uns sinngemäß, dass eine Mehrheit nicht immer quantitativ sein muss.

    Also sollten nur die Fantasievollen über die Zukunft Kolumbiens und über den Umgang mit Terrororganisationen entscheiden [wobei der Umgang mit der AUC gewiss genauso fantasielose Lösungen wie die bedingungslosen Kapitulation hervorbringen würde]. Dieser ganze Firlefanz von wegen Volkswillen sollte man da nicht zu ernst nehmen.

    Genau wie in Ungarn: wie kann dieser Herr Orban nur glauben, dass er sein Land verändern kann, nur weil seine Partei eine ABSOLUTE MEHRHEIT (52,7 %) erreichte?

    Meiner Meinung nach, und Sie, Herr Dilger, werden mir da sicherlich zustimmen, sollten man die Fantasielosen ignorieren und die von den Fantasielosen gewählten Politiker alle absetzen, weltweit, und durch taz-Redakteure ersetzen. Das wäre doch mal wahrlich fantasievoll.

  • UH
    Udo Henn

    Ich nehme an, Herr Dilger bezieht die politische Fantasielosigkeit auf die "Aufstaendischen", wie er eine der schlimmsten Terrorgruppen der Welt verniedlichend bezeichnet.

    Das allein sollte eigentlich ausreichen, ihn aus dem Kader der taz-Berichterstatter zu entfernen.

    Dass diese Banditen keine politische Perspektive haben, verwundert ja nun wirklich nicht.

    Im uebrigen stimme ich den Ausfuehrungen von Herrn Walasch uneingeschraenkt zu.

  • GD
    Gerhard Dilger

    @Michael Wallasch

     

    Gemeint war und ist: die politische Fantasielosigkeit der FARC. Sorry für den missverständlichen Bezug.

  • MW
    Michael Wallasch

    Fantasielosigkeit kann ich eigentlich nur dem Autor bescheinigen aber nicht der Bevölkerung Kolumbiens.

    Denn in der Fantasie leben die Kolombianos in einem Land ohne FARC und ohne Paramilitärs; das heißt ohne Gewalt. Nach vielen Jahren friedlichen Verhandelns mit nur einem Ergebnis: das die FARC sich von einer Revolutionären Brigade mit sozialistischen Idealen gewandelt hat zu einer Drogenmafia, die ihre neuen Mitglieder gewaltsam entführt und rekrutiert.

    Seit dem wünscht sich das Volk mehrheitlich ein Ende dieser Zustände, notfalls auch mit Gewalt.

    Dieses so schöne Land wünscht sich einen Platz in der Welt das nach den Menschen und der Schönheit des Landes beurteilt werden möchte und nicht nach Gewalt oder exportierter Drogen.

    Bisher haben sich Mitglieder der Regierungen und der sogenannten "Revoluzzer" nur durch Kriminalität finanziert, und das alles auf Kosten der Bevölkerung.

    Das Angebot der FARC klingt lächerlich; denn

    die FARC macht solche Angebote doch nur weil sie keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung hat. Und mit dem Verschwinden derer werden auch die Paramilitärs verschwinden; und deren Mörder genauso abgeurteilt werden wie die der FARC.

    Die Fantasie der Kolumbianer ist ein Leben ohne Gewalt. Und sie möchten das nach vielen Jahren des Leidens auch mit allen legalen Mitteln.

    Wer dieses Verlangen Fantasielos nennt ist meiner Meinung nach Scheinheilig.