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Kommentar Emissionshandel Jetzt Emissionszertifikate zurückkaufen!

Bernward Janzing

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Bernward Janzing

Die Rezession hat auch den Emissionshandel überrascht. Deswegen müssen die Staaten der Europäischen Union jetzt einschreiten, um den Wert der Zertifikate abzusichern.

Die Rezession hat auch den Emissionshandel überrascht. Und so passiert es nun, dass die Tonne Kohlendioxid für unter 12 Euro gehandelt wird, nachdem sie lange in einem angemessenen Korridor zwischen 20 und 30 Euro geschwankt hatte.

Wer den Klimaschutz ernst nimmt, kann einen solchen Preisverfall nicht wollen. Zwar glauben Marktbeobachter, dass der Kursrückgang der Emissionszertifikate - gemessen an den Fakten - übertrieben ist. Doch das hilft dem Klimaschutz im Moment wenig. Denn unstrittig ist, dass sich viele Investitionen in eine höhere Energieeffizienz, die im letzten Sommer noch rentabel waren, derzeit nicht mehr rechnen. Ein Preis von mindestens 20 Euro je Tonne Kohlendioxid ist nötig, um dem Klimaschutz Impulse zu geben.

Deswegen müssen die Staaten der Europäischen Union jetzt einschreiten, um den Wert der Zertifikate abzusichern. Am einfachsten und elegantesten wäre es, sie kauften kurzerhand Kontingente zur Kurspflege zurück. Dass sie dann Papiere, die sie einst kostenlos verschleuderten, für gutes Geld zurückerwerben, mag skurril erscheinen - letztendlich zeigt der Vorgang aber nur, wie absurd die kostenlose Vergabe der Zertifikate war.

Gegen einen Rückkauf spricht diese Konstellation nicht. Es ist nicht mal unwahrscheinlich, dass die Staaten sogar ein Geschäft machen werden: Wer heute die Wertpapiere für 11,60 Euro (das war der Börsenpreis am Freitag) kauft und sie später zu besseren Preisen wieder verkaufen kann, verdient dabei. Die Chancen sind daher gut, dass eine solche Transaktion ohne Belastung der Steuerzahler über die Bühne geht.

Ehe nun von marktliberaler Seite ein solcher Eingriff verteufelt wird, sei daran erinnert, dass in der Historie oft genug Notenbanken auch in Europa große Mengen von Devisen - bevorzugt Dollar - aufgekauft haben, um die Wechselkurse zu stützen. Das Instrument der staatlichen Stützungskäufe ist also keineswegs ungewöhnlich. Deswegen sollten sich Brüssel und die Mitgliedstaaten der EU jetzt beherzt der CO2-Zertifikate annehmen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Bernward Janzing

Bernward Janzing

Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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3 Kommentare

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  • H
    Holzbein

    Hmmm, kann das eigentlich jeder ? So ein Zertifikat kaufen ? Wär' doch auch ein netter Beitrag zum Klimaschutz: ich kaufe mir ein Verschmutzungsrecht für eine Tonne CO2 und lasse es ungenutzt, damit wird doch zumindest diese Tonne CO2 auch nicht mehr erzeugt. Wenn das jetzt noch viele machen...

  • EL
    Erwin Lindemann

    Für mich beweist das vor allem eines: Bei dem CO2 Ablasshandel geht es nicht um Umwelt, sondern um Profit. Deutlicher kann man es doch gar nicht machen.

  • H
    Holzbein

    Hmmm, kann das eigentlich jeder ? So ein Zertifikat kaufen ? Wär' doch auch ein netter Beitrag zum Klimaschutz: ich kaufe mir ein Verschmutzungsrecht für eine Tonne CO2 und lasse es ungenutzt, damit wird doch zumindest diese Tonne CO2 auch nicht mehr erzeugt. Wenn das jetzt noch viele machen...