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Kommentar Drogenkartelle Mexiko versinkt im Mafiakrieg

Bernd Pickert

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Bernd Pickert

Die Drogenkartelle in Mexiko nehmen überhand. Dadurch werden Lateinamerikas Demokraten bedroht.

Bernd Pickert ist Redakteur im taz-Auslandsressort und zuständig für die beiden Amerikas.

Seit vielen Jahren dehnen Lateinamerikas Drogenbarone ihren Einfluss aus - die Eskalation im "Drogenkrieg" in Mexiko ist dafür nur das aktuellste Beispiel. Längst schon sind es nicht mehr nur die traditionellen Machteliten, die in Mexiko, El Salvador, Guatemala oder Kolumbien dem gesellschaftlichen Fortschritt enge Grenzen setzen. Teils als neue Akteure, teils in Allianz mit den alten Kräften, unterhöhlen die Narco-Kartelle den Staatsapparat und alle Spielräume für die Demokratisierung, die soziale Entwicklung und mögliche Umverteilung in den Gesellschaften.

Ihre finanzielle Macht und ihre rücksichtslose Anwendung von Gewalt, die meist straffrei bleibt, treffen auf Gesellschaften, deren Staatsapparate in den Strukturanpassungsprogrammen der Neunzigerjahre zusammengestrichen wurden und damit nicht effizienter, sondern noch schwächer und anfälliger wurden. Gleichzeitig verschärften sich die sozialen Konflikte, die Schere zwischen Arm und Reich ging stetig weiter auseinander - ein ideales Einfallstor für die Drogenwirtschaft.

Inzwischen ist die Macht der Drogenkartelle kaum noch zu bremsen. Aus dem Schaden, den sie den Gesellschaften zufügen und den inkonsistenten Antworten der Regierungen entsteht eine unheilvolle Eigendynamik, die zu Gewaltexzessen auf beiden Seiten führt und Ansätze zur zivilen Konfliktlösung an den Rand drückt. Drogenhandel, das ist unregulierter Kapitalismus in seiner brutalsten Form, durch die Illegalität jeder Art von gesellschaftlicher Kontrolle entzogen.

Die Linke hat diese Gefahr lange unterschätzt. Die berechtigte Kritik an einer Politik der "harten Hand" in Produzenten- wie in Konsumentenstaaten oder einer als Drogenbekämpfung getarnten Militarisierung haben leider nur selten dazu geführt, alternative Ansätze zu entwickeln. Bolivien, wo mit Evo Morales ein ehemaliger Kokabauer die Regierung führt, bietet hier die größten Chancen. Sicher, der Kampf gegen die Kartelle muss intelligenter geführt werden als mit Militäreinsätzen und Feldbesprühungen, die nur die Lage verschärfen. Aber er muss geführt werden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Bernd Pickert

Bernd Pickert Auslandsredakteur

Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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