Kommentar Afrikanische Union : Eine Chance für den Kontinent
Ruandas Präsident Paul Kagame übernimmt den Vorsitz der Afrikanischen Union (AU). Er kann das Bild Afrikas verändern.
A frika brennt. Über zehn Millionen junge Menschen drängen jedes Jahr auf die Arbeitsmärkte, finden keine Jobs und machen ihre Länder unsicher. Die Megastädte von Kairo bis Kinshasa platzen aus allen Nähten, niemand investiert in vernünftige Infrastruktur für die Menschen. Weite Landstriche sind dem sozialen Zerfall und der schleichenden Klimakatastrophe schutzlos ausgesetzt. Und während einige Gegenden prosperieren, schlittern mehrere instabile Länder in immer größere Krisen, die neue Fluchtbewegungen hervorbringen.
„Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme“ lautete lange Zeit die Abwehrhaltung afrikanischer Herrscher, wenn sie dazu gedrängt wurden, sich zu solchen Zuständen zu verhalten. Die Afrikanische Union (AU), Anfang des Jahrhunderts als größter internationaler Staatenbund neben den Vereinten Nationen entstanden, sollte diese Lösungen bringen. Sie konnte es nicht – mangels Führung, mangels Willen, mangels Einigkeit und mangels Geld.
Wird nun Paul Kagame die Wende schaffen, der autoritäre Erneuerer Ruandas, der sein Land zur Vitrine eines effizienten, modernen Afrika umgestaltet hat? Führung und Willen hat Kagame im Überfluss. Einigkeit und Geld müssen alle AU-Mitglieder beisteuern. Kagame hat bereits begriffen, dass er Afrika nicht im Alleingang umkrempeln kann wie Ruanda. Er arbeitet eng mit anderen Präsidenten zusammen, um wenigstens die AU handlungsfähig zu machen. Seine Amtskollegen scheinen die zupackende Art des Ruanders zu schätzen.
Für die Masse der Afrikaner würde eine besser funktionierende AU erst mal nichts verändern. Aber dem Rest der Welt würde sie zeigen, dass Afrika durchaus in der Lage ist, Probleme zu lösen. Eine positivere Sicht auf Afrika – das ist nach internationalem Konsens die Bedingung dafür, dass das Geld auf der Welt endlich dorthin fließt, wo es am dringendsten gebraucht wird. Wenn Kagame das schafft, hat er seine Ziele erreicht.
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