Kolumne Pflanzen essen: Danke, davon lieber nichts
Wer seine fleischessenden Mitmenschen verbal filetiert, tut der veganen Causa keinen Gefallen. Ein paar Tipps für eine bessere Kommunikation.
Für Veganer ist es in Anbetracht der Dauerpräsenz von Tierleid im Alltag und dessen gesellschaftlicher Akzeptanz nicht immer leicht, gelassen zu bleiben. Meiner Erfahrung nach ist Diplomatie mit fleischessenden Mitmenschen allerdings meist die bessere Taktik. Besonders im Familien- und Freundeskreis. Nicht nur, um wichtige Beziehungen aufrechtzuerhalten, sondern auch, um konstruktive Diskussion zu fördern.
Indem man das Klischee des Veganers erfüllt, der jeden Fleischesser in Reichweite anschreit, tut man keinem einen Gefallen, weder der veganen Causa noch sich selbst. Werde ich von Freunden zum Potluck Dinner eingeladen, bei dem jeder eine Speise beisteuert, dann knarze ich sie nicht konfrontativ mit „Ich koche aber vegan“ an. Lieber bringe ich ein pflanzliches Gericht mit, das so lecker ist, dass ich am Ende des Abends nach dem Rezept gefragt werde.
Bietet man mir etwas an, das Tierprodukte enthält, sage ich nie „Das kann ich nicht essen“, sondern „Danke, aber davon möchte ich lieber nichts“. Während Ersteres den Eindruck vermittelt, dass meine Ernährung eingeschränkt und etepetete ist, lässt Zweites die Möglichkeit zum Gespräch offen.
Und schlägt es mir mal auf den Magen, wenn meine Tante beim Familienessen in ein vor Blut triefendes Steak schneidet, dann keife ich nicht: „Das ist widerlich!“ Sondern besinne mich, dass ich auch mal eine fleischfressende Tierliebhaberin war, selbst wenn das ein Paradoxon ist. Ich sage ihr dann die Wahrheit. Dass ich sie nicht kränken will, mir aber inzwischen beim Anblick von Fleisch manchmal unwohl wird. Und setze mich einfach kurz um. Die Chance, dass wir beim Kaffee offen über Veganismus sprechen, ist weit höher, als wenn ich meine Tante zuvor verbal filetiert hätte. Jemand, der heute noch nicht offen ist für pflanzliche Ernährung, zieht sie vielleicht in Zukunft in Betracht.
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