Kolumne Meer: Salat macht schwach
Männer essen Hack, Frauen essen Salat. Ob das grüne Zeug gesund ist, weiß kaum jemand. Salat macht schlank, schwach und zementiert Geschlechterrollen.
M ehrheitlich erkranken und sterben Frauen an Ehec. Auch wenn noch unklar ist, wie der Erreger wirkt und ob es andere geschlechtsspezifische Implikationen gibt – eines ist klar: Die Durchschnittsfrau isst mehr Salat als der Durchschnittsmann.
Das dicke Mädchen aus der Nachbarschaft erzählt stolz von der neuen Diät-Idee: Eisbergsalat. Der ist so schön süß und hat keine Kalorien. Ach, ein bisschen Majonäse drauf, sonst schmeckt es ja nach gar nichts. Majonäsenmädchenrechnung.
Ob das leckere grüne Zeug gesund ist, weiß niemand so richtig. Nicht mal sonderlich viele Ballaststoffe soll Salat enthalten. Er sei so gesund "wie ein Blatt Papier mit Wasser", sagen manche Ernährungswissenschaftler.
Papier, lecker! Manche essen das gern mal, um was im Bauch zu haben und eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Oder mit Orangensaft getränkte Wattebällchen. Millionen Menschen in Deutschland, immer noch mehrheitlich Frauen, essen ihr Leben lang reduziert. Machen Diäten. Machen sich Gedanken über ihr Gewicht. Kotzen, leiden, sind mit ihrem Körper nicht im Lot. Sind unfrei.
Auch weil es in einer patriarchal geprägten Mediengesellschaft Mainstream ist, dass Frauen schön sind. Und weiterhin gilt: schlank ist schön. Ein fetter Mann kann mit dem Finger auf die fette Frau zeigen, ohne dass ihm das vorgeworfen wird. Ein fetter Mann kann gut Karriere machen, eine fette Frau hat es da schon schwerer. Lookismus, wie in der linken Szene dieses Diskriminierungsmerkmal genannt wird, betrifft in erster Linie Frauen.
Frauen gehen auf hohen Absätzen. Damit können sie auf kleinere Menschen herabsehen. Absätze machen auch eine "gute Haltung". Besonders beliebt: lange, schlanke Beine auf Stiletto-Absätzen. Da kann so manchem Hetero-Mann einer abgehen. Und anderen auch. Solches "sexy" oder zumindest "ästhetisch" zu finden, ist unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung weit verbreitet.
So schön solche Model-Bilder sind: Fest stehen und schnell und lange laufen, das geht mit Absätzen nicht. Bei längeren Strecken ist – oft männliche – Hilfe nötig.
Gerhard Schröder und Joschka Fischer sind körperlich klein. Absätze brauchen diese beiden Macker nicht. Mächtige Männer sind sie dennoch, erst in der Politik, dann in der Wirtschaft. Über Helmut Kohl sagte man, er besiege seine politischen Gegner, indem er sie "unter den Tisch" esse.
Absätze machen schwach. Lebenslanges Hungern auch
Absätze machen schwach. Lebenslanges Hungern auch. Die Bilder, die Frauen schwach machen und die ihnen solche Rollen zuweisen, sitzen tief. Sie werden überall vermittelt, oft von früh an. In den Medien, in der Peer Group, als Spielzeug.
Nur mit beherztem Handeln lassen sich solche Bilder überwinden. Wir brauchen mehr Eat-Ins! Frauen, und alle, die sich als solche fühlen: Esst mehr Junk! Esst mehr Fett! Trinkt mehr Öl! Be pesticide!
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