Kolumne Liebeserklärung

Eine-Frau-Tea-Party

Eva Herman kämpft gegen die „Gutmenschendiktatur“. Als Angestellte eines russischen Senders verbreitet sie nun auch Propaganda im Sinne Putins.

Ewa Chermanowska. Bild: dpa

Fing nicht alles mit Eva Herman an? War sie, die Eine-Frau-Tea-Party, nicht die erste Mediengestalt, die mit den etwas anderen Thesen zum neuen Familienbild hervortrat und gegen Teufelszeug wie Emanzipation zu Felde zog?

Sie hat mit dem Verlust ihres Jobs als „Tagesschau“-Sprecherin dafür bezahlt. Seitdem hadert sie mit der hiesigen Gutmenschendiktatur, ist aber zur Pionierin geworden, der ein ganzes Heer aus Matusseks, Lewitscharoffs, Mosebachs, Sarrazins, Martensteins und von Altenbockums hinterherrumpelstilzt.

Heute arbeitet sie, die mangelnde Meinungsfreiheit hierzulande beklagt, für den Sender Stimme Russlands, gleich nach Gerhard Schröder das strammste Verlautbarungsorgan putinesker Weltanschauung nordwestlich der Krim. In ihren Kommentaren wütet sie gegen schwule Umerziehung, Brüssel, gebärstreikende Biodeutsche und schnellgebärende muslimische Kriminelle.

Dabei ergreift sie eifrig Partei für das Land, das ihren Kommentaren Asylrecht gewährt hat. Auch im Ukrainekonflikt. Die Nato und die EU seien die wahren Aggressoren, Putin reagiere „immer noch verhältnismäßig freundlich“, während unsere Medien, vom Staat gezwungen, antirussische „Propaganda pur“ verbreiteten. Eine Meinung, die sich deckt mit der in vielen linken Kreisen.

Allein für die Volte aber, im Auftrag der russischen Regierung mangelnde Meinungsfreiheit zu beklagen, muss man Eva Herman einfach gernhaben. Wenn sie es jetzt noch schafft, die durchgeknallten Rechtspopulisten zu stramm linken Positionen umzuerziehen, könnte man sie direkt lieben. Und wenn sie schließlich Akif Pirinçci heiratet – der sucht ja gerade eine dummdeutsche Frau – und mit ihrem Gefolge in Putins Eurasische Union auswandert, dann wollen wir ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren. Auf dem Christopher Street Day, zum Beispiel.

Einmal zahlen
.

Heiko Werning ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er studierte Technischen Umweltschutz und Geographie an der TU Berlin. Er tritt sonntags bei der Berliner „Reformbühne Heim & Welt“ und donnerstags bei den Weddinger „Brauseboys“ auf und schreibt regelmäßig für Taz und Titanic. Letzte Buchveröffentlichung: „Vom Wedding verweht“ (Edition Tiamat).

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben