Kolumne Leipziger Vielerlei

Clowns und andere Grusligkeiten

Ein Häftling blamiert die Justiz, eine US-Hysterie erreicht die Messestadt und Bettina Kudla hat Angst. So geht Humor auf sächsisch.

Zwei Personen mit gruseligen Clownsmasken

Nicht zum lachen: Gruselclowns wie diese in einem Freizeitpark in Georgia/USA wurden jetzt auch in Leipzig gesichtet Foto: dpa

Die sächsische Justiz bekleckert sich aktuell wirklich nicht mit Ruhm. Erst konnte Jaber al-Bakr den Polizisten in Chemnitz gleich zweimal entkommen. Spätestens nachdem er sich dann vergangene Woche in der JVA Leipzig erhängte, hat jeder Oppositionspolitiker Sachsen vorgeworfen, unfähig zu sein.

Und jetzt auch noch das: Ein Häftling aus der JVA Zeithain ist am Mittwoch bei einer Wohnungsbesichtigung in Leipzig einfach zu Fuß weggegangen und dann in ein Auto gestiegen. Also auch entkommen. Es scheint, als wolle er gemeinsam mit all den Politikern auf die sächsische Justiz zeigen und sagen: „Haha, ihr könnt wirklich gar nichts.“ Wie sinnvoll die Aktion war, wird sich noch zeigen. Er wäre nämlich sowieso in weniger als vier Wochen entlassen worden.

Apropos Haha: Die Clowns sind jetzt auch in Leipzig! In den vergangenen Monaten hatten sich Berichte über Angriffe von Clowns in den USA gehäuft. Es entstand eine wahre Hysterie. Am vergangenen Wochenende soll jetzt auch eine Frau in Leipzig nur knapp entkommen sein. Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) textete prompt: „Grusel-Clowns attackieren Leipziger Radfahrerin.“ Attackiert wurde aber gar keiner. Die Frau sei geflohen, so die LVZ, als die zwei Männer in Clownsmasken ihr zu nahe kamen. Anzeige bei der Polizei erstattete sie nicht.

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Und apropos gruselig: Die Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla muss am Samstag zittern. Beim CDU-Kreisparteitag entscheidet die Basis, wer als Direktkandidat für die CDU bei der Bundestagswahl 2017 antritt.

Kudla hat oft wiederholt, wie gerne sie dieses Amt weiterführen möchte. Nach der anhaltenden Kritik wegen AfD-naher Äußerungen („Die Umvolkung Deutschlands hat längst begonnen“) wird das aber immer unwahrscheinlicher. Ihre Konkurrenten sind zwei Stadträte. Sie treten geschlossen gegen Kudla auf – es scheint ihnen egal zu sein, welcher von beiden gewinnt: Hauptsache nicht Bettina #Dünnschiss Kudla.

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1992 im Saarland geboren, seit einem Praktikum 2015 immer mal wieder bei der taz, aktuell vor allem bei taz.de. War bis 2018 Volontärin bei der Nachrichtenagentur AFP. Interesse an Feminismus, Nahost und vielem anderen.

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