Klöckner, Gipfel und Corona-Sorgen: Die Ministerin flüstert

Ein Fleischwunder wird es wohl nicht geben. Aber Gütersloh wird dafür vielleicht Urlaubsziel. Diese und weitere Themen – hier frisch auf den Tisch.

Ministerin Klöckner, nachdenklich

Julia Klöckner wollte stets „Freiwilligkeit“ – damit alle weiter ruhig schlafen können Foto: Stefan Boness/Ipon/imago

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Die Stones untersagen der Trump-Kampagne den Song „You can’t allways get what you want“.

Und was wird besser in dieser?

Ausgerechnet den hätte man ihm lassen können.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erntet Kritik für ihren „Fleischgipfel“, ein Treffen mit Branchenvertretern aus der Fleischindustrie. Alles nur Show, sagen die Grünen. Konnten Sie dem Ganzen etwas Gutes abgewinnen?

Sonntagsbraten, freitags Fischtag, dazwischen fliegen gebratene Täubchen in den Mund: Mahlzeit! Unsere Sprache weht noch herüber aus einer Welt voller Hirsepampe. Fleisch war rar und besonders. Jetzt also Schlachtfest: Tiere, Arbeiter, Verbraucher, Erzeuger – die Fleischproduktion erweist sich als fein austariertes System, wirklich allen Beteiligten zu schaden. Das blamiert die Politik. Vorneweg eine Ministerin, die bisher das Wörtchen „freiwillig“ im ASMR-Style flüsterte, damit alle wieder gut einschlafen können. Nun ist die Schweinerei zerlegt, und die Innereien werden sortiert nach Werkvertrag, Dumpingpreis, Qualzucht und Konzernwillkür. Alles praktische Hebel und die Niederungen der Politik; ein Fleischwunder ist nicht zu erwarten. Doch das Thema liegt jetzt dampfend auf dem festlich gedeckten Tisch, und wir schließen die Augen zum Gebet: „Herr, die Zukunft des Koteletts liegt in seiner Vergangenheit.“

Nach einem Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh haben Bayern, Niedersachsen, Meck-Pomm und Ba-Wü Beherbergungsverbote für Urlauber aus dem Risikogebiet verhängt. Und nu ’, wohin?

GT – Gran Tourismo! Gott Tönnies! Oder eben Kreis GüTersloh – heillos unterschätzt. Miele, Miele, sagt die Tante, die alle Waschmaschinen kannte! Also ab ins Firmenmuseum, dann – ordentlich den örtlichen „Steinhäger“ verkostet. Schließlich Gruselspaß bei einer „virtuellen Führung durch den Traditionsraum der Firma Bertelsmann“. Da dürften die Mumien der untoten Hartz-Gesetze herumkompostieren. 1.000 Kilometer Radweg und -loh, also Wald, reichlich. Wieso wollte da überhaupt jemand weg?

Laut Deutschlandtrend macht sich trotz jüngster Corona-Ausbrüche nur ein Viertel der Bürger wirklich Sorgen über eine Ansteckung. Ist das dieser sommerliche Leichtsinn?

War Anfang März ähnlich, sprang dann auf über 50 Prozent. Wäre nicht unsympathisch, wenn die Befragten unterschieden zwischen persönlicher Angst und der Sorge um andere. Auch die leicht Gesinnten tragen die Schutzmaßnahmen meist mit.

Aus einer Anfrage der Linken geht hervor, dass 2,4 Millionen Rentner:innen, die 40 Jahre oder länger in die Rentenkasse eingezahlt haben, trotzdem weniger als 1.000 Euro Rente im Monat herausbekommen. Das trifft vor allem Frauen. Müsste mehr Werbung für die Grundrente gemacht werden?

Das Wort „Grundrente“ täuscht, es stammt aus der grassierenden Serie „Schöne-Schwurbel-Gesetzesnamen“. Die Grundrente ist keine, sondern ein Pflaster für einen Teilbereich der gesetzlichen Rente. Deshalb wollte die SPD es viel breiter anlegen, die Union nicht und die Linke lieber gleich eine grundlegende Reform. Nun hat sie aus Versehen bewiesen, dass besonders westdeutsche Frauen mit 693 Euro Rente durchschnittlich unter der Grundversorgungsgrenze landen. Das liegt an Teilzeit, Auszeit und moribunden Löhnen in Berufen, zu denen bevorzugt Frauen verurteilt werden. Mindestlohn rauf, Selbstständige und Beamte als potente Beitragszahler in die Gesetzliche hinein – und dann jäh aus schönen Träumen erwachen. Weil die Zahl der Älteren unaufhaltsam steigt, bleibt die Überschrift der Rentenpolitik: Dann geh doch zu netto.

Nach dem Bilanzskandal von Wirecard stehen auch die Finanzaufsicht BaFin und die Prüfungsgesellschaft EY in der Kritik – was ist da falsch gelaufen?

Nichts. „Anleihe-Investoren“ haben auf ein unseriöses Unternehmen gewettet und nun sind ihre Aktien Ramsch.

Diese Woche, ab dem 1. Juli, übernimmt Deutschland für sechs Monate die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union – worauf dürfen wir uns freuen?

Hochlastbetrieb im Regierungshangar in Tegel.

Und was machen die Borussen?

Sportliche Ziele waren nicht mehr zu erreichen, der Wettbewerb nicht mehr zu verzerren und keine Fans zum Begeistern da. Dann verliert man 0:4 und das geht schon in Ordnung. Das ist eine Mentalitätsantwort auf die Mentalitätsfrage.

Fragen: hdl, krt

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de