Kinotipps für Berlin: Bundesweit und im Park

Kino läuft noch immer fast ausschließlich digital. Etwa das Greek Fim Festival. Mit viel Wumms und live in der Hasenheide: Christopher Nolans „Tenet“.

Szene aus "Tenet" von Christopher Nolan

Spektakuläre Action mit so bislang noch nicht gesehenen Bildern: „Tenet“ (2019) Foto: Warner Bros.

Auch wenn die stetig sinkenden Inzidenzwerte und die Öffnung der Freiluftkinos Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem „normalen“ Kinoalltag machen, wird man wohl doch noch eine Weile warten müssen: Ende Juni könnte für die Filmtheater vielleicht ein realistischer Termin zur Wiedereröffnung sein. Bis dahin gibt es an dieser Stelle die Hybrid-Kolumne: ein paar Hinweise für die Freiluft-Fans und Interessantes aus dem Streaming-Bereich.

Als Online-Festival präsentiert sich aufgrund der pandemischen Umstände in diesem Jahr auch das Greek Film Festival Berlin. Normalerweise im Januar im Babylon Mitte beheimatet, ist das Festival rund um aktuelle griechische Filmkultur nun vom 2.-6. Juni bundesweit im Netz zu sehen.

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Eröffnet wird das Festival mit dem Biopic ,,Eftychia“ über eine berühmte Songtexterin des Rembetiko, einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen griechischen Folklorestil, dessen Songs vom Alltag der „kleinen Leute“ berichten.

Auch der Dokumentarfilm „Markos“ schließt an dasselbe Thema an: Regisseur Nikos Skarentzos erzählt die Lebens- und Wirkungsgeschichte des Rembetiko-Komponisten und -Interpreten Markos Vamvakaris, der den von der Bouzouki dominierten Musikstil in den 1930er Jahren populär machte – und letztlich doch immer ein armer Außenseiter blieb.

Interviews mit Musikern und His­to­ri­ke­r:in­nen lassen seine Lebenswirklichkeit auferstehen, verschiedene In­ter­pre­t:in­nen verdeutlichen seine Relevanz für die griechische Musik. Und das geht nicht nur traditionell mit der Bouzouki, man kann auch zur E-Gitarre greifen.

Ein schöner Film im Wettbewerb des Festivals ist auch „Green Land“ von Angeliki Antoniou, ein sensibel inszeniertes Drama nicht ohne Humor, das von einer Frau mit Amnesie erzählt, die als Köchin bei einer schlichten Taverne im Hafen unterkommt.

Während sie immer noch versucht ihr altes Leben zu rekonstruieren, erwecken ihre traditionellen Gerichte bei den Gästen und dem Besitzer der Taverne Erinnerungen an frühere Zeiten. Ein klassischer Schauspieler:innen-Film mit der hervorragenden Angeliki Papoulia in der Hauptrolle.

Mit deutlich mehr Wumms geht es in „Tenet“ zur Sache, Christopher Nolans Publikumserfolg aus dem vergangenen Jahr, den sich das Freiluftkino Hasenheide zur Eröffnung der Saison ausgesucht hat.

Im Kern ein Agentenfilm mit einem schwarzen James-Bond-artigen Helden, bietet „Tenet“ richtig spektakuläre Action mit so bislang noch nicht gesehenen Bildern – und einem pseudophilosophischen Überbau, bei dem man sich nicht die Mühe machen sollte, ihn verstehen zu wollen. Das lenkt nur ab und führt zu Frust (27.5, 21.30 Uhr, Freiluftkino Hasenheide).

Immer einen Blick wert ist die Webseite der amerikanischen National Film Preservation Foundation, wo man dem Namen zum Trotz einmal mehr feststellen kann, das die Erhaltung von historischen Filmen ein internationales Business ist, das sehr viel Zusammenarbeit erfordert.

Momentan zu sehen ist auf der Webseite der Film „Soft Shoes“ (1925) mit dem seinerzeit berühmten Westerndarsteller Harry Carey, der hier als Sheriff bei einem Ausflug nach San Francisco allerlei Abenteuer erlebt. Der Film wurde 2018 restauriert, die Kopie fand sich im Tschechischen Nationalen Filmarchiv (www.filmpreservation.org).

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Lars Penning, geboren 1962. Studium der Publizistik, Theaterwissenschaft und der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Freier Filmjournalist. Filmredakteur bei tipBerlin. Buchveröffentlichungen: Cameron Diaz (2001) und Julia Roberts (2003). Zahlreiche filmhistorische und –analytische Beiträge für verschiedene Publikationen. Lebt in Berlin.

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