Kinofilm „Mavka“ aus der Ukraine: Belaubter Widerstand
Der im Krieg produzierte ukrainische Animationsfilm „Mavka – Hüterin des Waldes“ bricht Zuschauerrekorde. Er erzählt vom Kampf Gut gegen Böse.
Aufwachen in der Natur tut sicher gut. Erst recht, wenn man direkt nach Tagesanbruch mit jedem Schritt den Schnee schmelzen und die Pflanzen sprießen lässt. Menschen können so etwas selbstverständlich nicht, doch Mavka, die Titelheldin des gleichnamigen ukrainischen Animationsfilms, vermag als „Seele des Waldes“ die Jahreszeiten dazu zu bewegen, einander abzulösen. Und einiges mehr.
Versteckt hinter den Bergen liegt ihr Wald, sie und andere Feen und eine Reihe von Waldgeistern wachen darüber, dass für die Tiere und Pflanzen dort alles mit rechten Dingen zugeht. Jenseits des Waldes gibt es zwar ein Dorf, deren Bewohner haben jedoch viel zu viel Angst vor ihren „grünen“ Nachbarn, um zu stören. Früher einmal gab es einen Kampf zwischen Menschen und Waldwesen, wie der Prolog erzählt. Seitdem hält man gegenseitig Abstand.
„Mavka – Hüterin des Waldes“ feiert in der Ukraine bemerkenswerte Erfolge. Im Krieg fertig produziert und im März dort in den Kinos angelaufen, brach er seitdem an den Kassen alle Rekorde mit über einer Million Zuschauern. Seine Animation spricht im Detail durchaus an, vor allem die Baumwesen und ungewöhnlichen Tiere wie ein Katzenfrosch überzeugen mit knorriger Fantasie, selbst wenn man sich mitunter an Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung erinnert fühlen mag. Man drehte im Übrigen auf Englisch, eine internationale Geste, zugleich hilft es wohl auf dem internationalen Markt.
„Mavka – Hüterin des Waldes“. Regie: Oleg Malamuzh und Oleksandra Ruban. Ukraine 2023, 99 Min.
Die Handlung folgt dem klaren Schema eines Kampfs von Gut gegen Böse. Denn im Wald liegt die Quelle des Lebens, und nach dieser sucht, als stereotypische Schurkin, Kylina, die Tochter des Besitzers des örtlichen Sägewerks. Ihr Vater starb seinerzeit beim Kampf mit den Waldgeistern. Kylina verspricht den Dorfleuten reichlich Geld, wenn sie ein Blatt des Baumes finden, der an der Quelle wächst.
Verweise auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine
Den Kontrast zur kühl-manipulativen blonden Kylina bildet die wohlwollende, leicht gutgläubig-kulleräugige Mavka mit ihren standesgemäß grünen Haaren. Als man diese zur neuen Hüterin des Waldes bestimmt, protestieren die anderen Feen, die sich von der Personalie nichts Gutes versprechen. Dem üblichen Verlauf solcher Abenteuer gemäß geht dann auch erst einmal einiges schief, bis es zum glücklichen Ende kommt, in dem sogar die Freundschaft mit den Menschen erneuert wird.
Die Kraft der Liebe und der Musik erweist sich dabei als hilfreich. Zur Filmmusik trägt übrigens die ukrainische Folkband Dakhabrakha bei.
Eine positive Botschaft mithin, dazu etwas Ironie, für die sich die hutzeligen Holzkerlchen besonders gut anbieten. Dass der Film zudem patriotische Signale aussendet, überrascht nicht, spielt seine Geschichte doch indirekt auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine an. Der bedingungslose Wille zum Opfer gehört im Drehbuch explizit dazu. Und wenn im abschließenden Song die Saat und die Wurzeln beschworen werden, ist es nicht mehr weit zum Boden, der sich ja schon einmal auf Blut reimte. Immerhin wird das Böse am Ende mit einem Tropfen Ironie besiegt.
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