Kino in Pandemiezeiten: Popcorn durch die Maske schieben

Hamburger Kinos haben Corona-Auflagen wie alle anderen Kulturanbieter auch. Nur liegt die Verantwortung hier vor allem bei Betreibern und Kundschaft.

Einzelne Person im leeren Kino

Die sicherste Art im Kino: alleine. Aber nur, wenn vorher auch gut gelüftet wurde Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Nein, in Gefahr sei man nicht: Überraschend zuversichtlich klingt der Mann an der Kasse des 3001. Dass das kleine Programmkino im Hamburger Schanzenviertel eigentlich ganz gut durch die Pandemie gekommen sei, das ist ja keine ganz selbstverständliche Nachricht.

Wer dieser Tage in Hamburg einen Film sehen möchte, ist je nach persönlicher Risikofreude gut beraten, sich schlau zu machen: Wie halten sie’s mit den Masken? Denn innerhalb des eigentlich gesetzten Rahmens gibt es erkennbar Spielräume; um ein naheliegendes Bild zu bemühen: Die Behörden mögen das Coronadrehbuch ­schreiben, die genaue Ausgestaltung des Parts aber liegt bei Regie und Akteur*in.

„Im Kinosaal kann die Maske abgenommen werden“, schreibt etwa das 3001 auf seiner Homepage, „da wir unseren Be­su­che­r*in­nen wieder feste Sitzplätze mit ausreichendem Abstand zuweisen.“ Auf Nachfrage ist die Hauspolitik so: Links und rechts von jedem belegten Platz bleibt je einer frei. Nur wenn gleich mehrere zusammen verkauft werden, an ein Paar zum Beispiel, werden auch in der Reihe davor und dahinter Plätze gesperrt.

Das klingt ein wenig nach dem Sommer 2020, so als müssten träge herumfliegende Tröpfchen bedacht werden und nicht diese fies langlebigen, weit reisenden Aerosole. Das Vorgehen, weiß der Mann an der 3001-Kasse, sei aber abgestimmt mit der Kulturbehörde.

Vergleichbare Häuser in der Stadt handhaben es vordergründig ums Entscheidende anders: Dort gilt das Maskengebot auch am Platz und im Sitzen – das Schlupfloch heißt Konsum von Snacks und Getränken. Und der wiederum ist natürlich kein ganz unwesentlicher Teil heutiger Kino-Geschäftsmodelle. Nicht nur wird also die Verantwortung am Ende bei den Be­trei­be­r*in­nen abgeladen –sondern auch bei den Be­su­che­r*in­nen: Die Maske aufzubehalten während des Films, das mag nicht vorgeschrieben sein, aber es ist deswegen ja auch nicht verboten.

Normalerweise, also vor Corona, be- und entlüftete das 3001 seinen einzigen Saal abgestuft: je nachdem, wie viele der 91 Plätze besetzt waren. Während der laufenden Pandemie ist die Anlage nun immer auf höchste Stufe gestellt.

Neue Regeln im Anmarsch

Ab Montag ist wieder alles anders: Dann gilt in Hamburg 2G+ bei Veranstaltungen in Kinos, Theatern, Konzerthäusern und der Oper; etwas lockerer, nämlich gemäß 2G-Regeln, handhaben es öffentliche Bücherhallen oder Museen. Ein paar Tage früher, an diesem mäßig besuchten Mittwochabend, wirkt der Mann an der Kasse des 3001 nicht sonderlich froh über das Anstehende: Die Zuverlässigkeit der Schnelltests sei doch mit dem Aufkommen von Omikron ein Problem, findet er.

Und ja, auch dass es in der Stadt längst nicht mehr so viele Anbieter kostenloser Bürgertests gibt wie noch im vergangenen Herbst. Und ob das Publikum nun geboostert ist oder nicht: Das verrate ihm der Code ja nicht, den er von jeder und jedem scanne, sagt der Mann an der Kasse. Dazu muss geklickt werden und gescrollt, und alles dauert etwas länger beim Einlass.

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Wollte irgendwann Geisteswissenschaftler werden, ließ mich aber vom Journalismus ablenken. Volontär bei der taz hamburg, später auch mal stv. Redaktionsleiter der taz nord. Seit Anfang 2017 Redakteur gerne -- aber nicht nur -- für Kulturelles i.w.S.

Dieser Artikel stammt aus dem stadtland-Teil der taz am Wochenende, der maßgeblich von den Lokalredaktionen der taz in Berlin, Hamburg und Bremen verantwortet wird.

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