Kinder fragen, die taz antwortet: Kämpfen Kampffische wirklich?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Enya, 8 Jahre alt.
Allerdings! Und die Männchen sind die echten Aggro-Fische. Sie gehen auf alles los, was nach einem anderen Kampffischmännchen aussieht – sogar auf andere ähnlich gefärbte Fische, Garnelen oder ihr eigenes Spiegelbild.
Um den Gegner ordentlich einzuschüchtern, haben sie riesige bunte Schwanz-, Rücken- und Bauchflossen. Im Kampf spreizen sie die ab, um möglichst groß auszusehen. Größer zumindest als die nur fünf bis sieben Zentimeter, die sie in Wirklichkeit lang sind. Das ist sozusagen psychologische Kriegsführung. Sie greifen aber auch wirklich an. Mit Bissen und Stößen wird der Gegner solange traktiert, bis er schließlich aufgibt und sich zu Boden sinken lässt oder flieht.
Diese für Fische ungewöhnliche Aggressivität ist Menschen schon früh aufgefallen. In ihrer Heimat Thailand hat sich daraus die Tradition von Kampffischkämpfen entwickelt. Dabei lassen Fischzüchter ihre Kampffische in Glasbecken gegeneinander anschwimmen. Diese Kämpfe sind bis heute ausgesprochen beliebt. Es kommen zahlreiche Zuschauer, die viel Geld darauf wetten, welcher Fisch gewinnen wird.
Deswegen werden Kampffische schon seit Hunderten Jahren gezüchtet. Dabei werden immer die buntesten und schönsten Tiere vermehrt, deren Nachkommen dann wieder etwas bunter und schöner sind – die heutigen Kampffische haben deshalb mit ihren in der Natur lebenden Vorfahren ähnlich viel zu tun wie unsere Hunde mit Wölfen. Diese Anpassung von Tieren durch Zucht an die Wünsche von uns Menschen nennt man Domestikation.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.
Wilde Kampffische gibt es auch – sogar viele verschiedene Arten in ganz Südostasien. Doch sie werden immer seltener, weil ihr Lebensraum für Landwirtschaft und Siedlungen trockengelegt wird. Sie bewohnen eigentlich Feuchtgebiete und Sümpfe. Mit der oft schlechten Wasserqualität dort kommen sie klar, weil sie nicht nur über Kiemen Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen, sondern mit einem sogenannten Labyrinthorgan zusätzlich atmen können. Deshalb zählen sie auch zu den Labyrinthfischen.
Die Kampffischmännchen sind nur deshalb so aggressiv, weil sie ihre Reviere verteidigen, wo sie sich mit den Weibchen paaren. Anschließend kümmern sie sich ganz allein um den Nachwuchs, indem sie die Eier und bei einigen Arten sogar die Jungfische bewachen. Eigentlich sind die Kampffischkerle also doch sogar richtig lieb.
Hast du auch eine Frage? Dann schreib sie uns an kinderfragen@taz.de.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert