Kinder fragen, die taz antwortet: Kann man die Hitze sehen?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Johannes, 3 Jahre alt.
Lieber Johannes, deine Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ob du Hitze sehen kannst, kommt nämlich darauf an, wie heiß die Hitze ist. Mit dem Begriff meinen wir normalerweise hohe Temperaturen, so wie wir sie zum Beispiel in den vergangenen Tagen erlebt haben. „Boah, ist das eine Hitze heute!“ So etwas haben deine Eltern an einem Sommertag doch bestimmt auch schon mal gesagt, oder?
Nun, diese Art von Hitze kannst du nicht sehen. Dafür ist sie nämlich nicht heiß genug. „Alles, was eine Temperatur hat, gibt Strahlung von sich“, erklärt der Physiker Martin Wendt. Also zum Beispiel Bäume, Autos, Häuser – und auch wir Menschen. Doch die Strahlung dieser Dinge liegt im Infrarotbereich, den wir Menschen nicht sehen können.
Das heißt aber nicht, dass die Strahlung für alle Lebewesen unsichtbar ist. Manche Schlangen können zum Beispiel Infrarotstrahlung wahrnehmen – und finden so auch im Dunkeln Beute. Und mit bestimmten Kameras, sogenannten Wärmebildkameras, wird die Infrarotstrahlung auch für uns Menschen sichtbar!
Doch höhere Temperaturen können wir auch ganz ohne Hilfsmittel sehen. „Je heißer die Gegenstände sind, desto mehr strahlen sie in den Bereich, den wir Menschen auch sehen können“, sagt Martin Wendt. Das gilt zum Beispiel für die Strahlung der Sonne: Wir können einen Teil davon als Sonnenlicht sehen. Allerdings ist die Sonne etwa 6.000 Grad Celsius heiß. Das ist noch viel heißer, als es in einem Backofen sein kann – oder in der Sommerhitze.
Warum die Luft bei Hitze flimmert
Trotzdem meint man, an sehr heißen Tagen die Hitze sehen zu können. Denn manchmal wirkt es so, als würde die Luft flimmern, etwa über einer Straße. Hast du das auch schon beobachtet?
„Das ist der Einfluss, den Wärme auf Dinge hat“, sagt Martin Wendt. „Den können wir sehen.“ Wenn die Sonne etwa auf Häuser oder Straßen scheint, heizt sich die Luft über diesen Oberflächen auf. Heiße Luft steigt nach oben, kältere sinkt nach unten. Doch weil sich die Luftschichten nicht immer gleichmäßig vermischen, kommt es zu Luftwirbeln.
„An der Grenze zwischen warmer und kalter Luft werden die Lichtstrahlen ein bisschen unterschiedlich abgelenkt“, sagt Wendt. Diese Ablenkung nennt man Lichtbrechung: Die Lichtstrahlen können nicht geradeaus verlaufen. Deshalb sehen wir das Flimmern. Die Hitze selbst sehen wir aber nicht.
Hast du auch eine Frage? Dann schreib sie uns an kinderfragen@taz.de.
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